Wie haben Sies mit der Religion, Frau Guetg?
Heute würde ich mich als agnostisch bezeichnen, aber ich bin nach wie vor Mitglied der reformierten Kirche. Ich bin in Bern aufgewachsen und wurde da konfirmiert. Religion ist mir vorab wegen des kulturellen Erbes wichtig. Grundsätzlich interessieren mich alle Religionen. Und dabei finde ich das Bewusstsein wichtig, was sich durch sie alles an Brauchtum etabliert hat.
Ist diese Erkenntnis ein Grund für Ihr Engagement für den Film, der auch ein Kulturträger ist?
Da geht es für mich noch weiter. Diese Kunstform ist ein Spiegel und zugleich eine Erweiterung des Lebens. Wir können damit alles reflektieren und gar in andere Welten reisen, wenn auch für kurze Zeit. Ausserdem entspricht es meinen Fähigkeiten als Allrounderin, dass der Film viele unterschiedliche Kunstformen verbindet und ausserdem auch noch Technik und Geschäftsinteressen eine grosse Rolle spielen.
Kino steht auch für das Anrichten mit grosser Kelle, Sie arbeiten lieber im Hintergrund. Wie passt das?
Ich will zum Denken anregen, zum Lachen, will bewegen, Austausch und Dialog fördern. Und weil ich das Glas grundsätzlich immer halb voll sehe und nicht halb leer, kann ich mit meiner positiven Energie und Leidenschaft all das gut aus dem Hintergrund erwirken.
Sie haben auch schon männliche Dominanz im Film festgestellt. Wie wirken Sie dagegen?
Zuerst einmal bin ich mir bewusst, dass ich als Kuratorin eine grosse Macht habe: Wofür ich mich einsetze, hat eine grosse Wirkung. Mit diesem Ansporn gehe ich auch daran, den Dialog zu fördern und dafür zu sorgen, dass alle zusammen an einem Tisch sitzen. Das ist enorm wichtig. Optimistisch stimmt mich mit Blick auf die Geschlechterfrage, dass die jungen Leute einen deutlich entspannteren Umgang damit zeigen. Das zu beobachten, macht Freude!
