Was soll ich tun, wenn ich diese Leere nicht ertrage?
Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen.
Corinne Dobler arbeitet als Seelsorgerin für das Sozialwerk Pfarrer Sieber und ist Pfarrerin in Bremgarten-Mutschellen. (Illustration: grafilu)

Wenn ein geliebter Mensch stirbt, kann es sich anfühlen, als ob ein Teil von einem selbst mitstirbt. Um das Leben neu zu beginnen und die Trauer zu verarbeiten, braucht der Mensch viel Raum für sein Innenleben. Tauchen Sie gedanklich ab, ist wahrscheinlich Ihr Inneres mit Erinnerungen und Schmerz beschäftigt. Planen Sie Zeit im Alltag ein, in der Sie gefahrlos Ihren Gedanken nachhängen können.
Wenn Sie unterwegs sind und merken, wie Sie in Gedanken versinken, bringen Sie sich an einen sicheren Ort und finden Sie heraus, was Ihnen hilft, im Jetzt zu bleiben: Laut mit sich selbst reden, die Hände reiben, einen Kaugummi kauen. Was regt Ihre Sinne an und hält Sie präsent? Die einsamen Abende empfinden Trauernde oft als schwer. Wenn es still wird, das Tagwerk vollbracht ist, wird das Fehlen des geliebten Menschen spürbar. Vielleicht hilft es, den Abendstunden eine kleine Struktur zu geben. Was davon würde Ihnen guttun: eine Kerze anzünden, beten, singen, Musik, einen Spaziergang machen, in ein Tagebuch schreiben, mit jemandem telefonieren? Solche Rituale ordnen den Abend, und die Trauer findet einen Platz.
Geben Sie sich Zeit. Ein paar Monate sind, gemessen an der Länge Ihrer Ehe mit dem Verstorbenen, eine kurze Dauer. Versuchen Sie, die Aufs und Abs, die eine Trauerzeit mit sich bringt, jeden Tag neu anzunehmen. Mit der Zeit kann sich Trauer verändern. Der Verlust bleibt Teil Ihres Lebens, aber er nimmt nicht mehr das ganze Leben ein. Es entsteht wieder Raum für kleine Dankbarkeiten und Funken von Lebensfreude. Ich wünsche Ihnen, dass Sie gerade in diesen anspruchsvollen Zeiten Gott zugewandt erfahren, so wie es im Psalm 34,19 heisst: «Nahe ist der Herr denen, deren Herz zerbrochen ist, und denen mit einem zerschlagenen Geist schenkt er Heilung.»
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Fachleute beantworten Ihre Fragen zu Glauben und Theologie sowie zu Problemen in Partnerschaft, Familie und anderen Lebensbereichen: Corinne Dobler (Seelsorge), Martin Bachmann und Salome Roesch (Partnerschaft und Sexualität) und Ralph Kunz (Theologie).
Senden Sie Ihre Fragen an «reformiert.», Lebensfragen, Preyergasse 13, 8001 Zürich.