Die Erscheinung ist schon mal ziemlich imposant: Jeremie Clerc ist rund 1,90 Meter gross, breitschultrig und mit muskulösen Oberarmen ausgestattet. Er erscheint somit beinahe ein wenig wie das Klischee eines jungen Mannes, der viel Wert auf physische Stärke legt. Der Schein trügt nicht, entspricht jedoch auch nicht ganz der Wahrheit.
Kickboxen und Klettern
Jeremie Clerc betreibt mit Kickboxen und Klettern Sportarten, bei denen Kraft wichtig ist. Aber dass Männer ins Fitnesscenter gehen, um die Muskeln zum Selbstzweck aufzupumpen und dabei kein anderes sportliches Ziel zu verfolgen, kann der bald 17-Jährige nicht verstehen. Der angehende Automatiker prangert dabei die Mechanismen in den sozialen Netzwerken an, in denen überall Bilder von topfitten Menschen zu sehen seien. «Und dann wollen eben alle so aussehen.» Es gehe vielen sowieso nur um die Bestätigung durch andere.
Unabhängigkeit und Familie
Natürlich ist ein Teenager wie Jeremie Clerc regelmässig in diesen sozialen Medien unterwegs. Er kennt auch den Manosphere-Influencer Andrew Tate. Doch der sei ja nicht mehr wirklich angesagt.
Mit ein paar Standpunkten, die Tate vertritt, kann er durchaus etwas anfangen: nämlich mit dem Willen, beruflich erfolgreich, selbstständig und finanziell unabhängig zu sein. Das ist Jeremies Fernziel und geht mit seinem Wunsch einher, irgendwann der gut verdienende Ernährer einer Familie zu sein. Mit dem frauenverachtenden Teil von Tates Ansichten kann er überhaupt nichts anfangen.
Der junge Mann ist sehr gut darin, Aspekte gesellschaftlicher Strömungen, die ihm zusagen, in seine Reflexion zu integrieren und problematische Haltungen auszublenden. So konstruiert er sich seinen eigenen Wertekanon. Das ist pragmatisch und praktisch zugleich.
Für sich und andere
Auffällig sind seine materiellen Ansprüche bei gleichzeitiger Anführung eines Vorbildes, das für das Gegenteil steht. Ohne zu zögern, nennt er Jesus. «Er hat seinen Mitmenschen selbstlos geholfen und immer die Verantwortung für seine Taten übernommen.»
Überhaupt spricht Jeremie Clerc oft davon, dass für ihn Männlichsein viel damit zu tun hat, Verantwortung zu übernehmen. Für sich und für andere. Das sei für ihn männlich. Oder auch einfach menschlich und erstrebenswert.
