Wenn Lukas Zimmermann-Oswald die Tür des Pfarrhauses in Sumiswald auf ein Klingeln hin öffnet, wird er immer mal wieder als Herr Pfarrer angesprochen. Dann verweist er auf seine Frau Mirja, die seit 2013 das Pfarramt dort innehat.
Der 44-Jährige entspricht auch sonst nicht dem gängigen Rollenklischee. Zehn Jahre lang war er vorwiegend Hausmann. Es war ein bewusster Entscheid, da er damals als Sozialpädagoge ebenso unregelmässig arbeitete wie seine Frau als Pfarrerin und sie als Paar Erwerbstätigkeit und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen mussten.
«Ich hatte Freude an dieser Rolle», sagt Zimmermann-Oswald. Die Reaktionen aus dem Umfeld waren grösstenteils positiv, auch weil es, wie er glaubt, im Dorf Vorläufer dieses Rollenmodells gegeben hatte.
Herausfordernde Diversität
Aber er stellt fest: «Es wird gewürdigt, dass du Hausmann bist, aber Frauen in der gleichen Position erfahren nicht dieselbe Wertschätzung.» In der Gesellschaft sei es weiterhin ein Vorteil, ein Mann zu sein. «Das ist echt unfair, und viele Männer checken gar nicht, dass sie privilegiert sind.» Etwa werde den Männern tendenziell mehr zugehört als den Frauen.
Aber Zimmermann-Oswald will keine Geschlechterklischees zementieren. Was Männlichkeit ist, sei schwer definierbar. Es gebe unterschiedliche Aspekte und die Wahrnehmung unterliege dem zeitlichen Wandel. Auf die Frage, was für ein Mann er sei, meint er denn auch ganz schlicht, er sei ein männlicher Mensch und beschreibt dann seinen Charakter: «Eher zurückhaltend, sensibel, begeisterungsfähig, engagiert, empathisch.»
Vorbilder gesucht
Fragen zur Geschlechtergerechtigkeit findet er berechtigt. Als Vater dreier Teenager sieht er die Schwierigkeiten etwa bei der Aufklärung. «Diversität kann sehr herausfordernd sein, was bei der Identitätsfindung in der Jugend berücksichtigt werden sollte.» Starre, auf die Geschlechter bezogene Rollenbilder sind für ihn aber keine Lösung.
Was es brauche, seien positive Rollenbilder. «Nicht überzeichnete und schubladisierende, sondern im Sinne von Menschen, die bewusst ihre Aufgabe wahrnehmen.» Denn zuallererst sei eine Person immer ein Mensch und nicht eine Frau oder ein Mann. Das habe für ihn auch einen spirituellen Aspekt. «Wir sind Geschöpfe, geliebt, gewollt, gemacht. Und so, wie wir gemacht sind, sind wir gut.»
