Odette Haddad Makhoul ist voller Vorfreude. Die zweimonatige Sommerpause ist bald vorbei, und das Leben kehrt in ihre Schule zurück. Diese liegt im Dorf Khirbet Kanafar im Libanon. Anders als nach den Frühlingsferien ist die Lage zurzeit einigermassen ruhig.
Krieg und Wirschaftsnot
Damals war täglich Bombenlärm aus der Ferne zu hören. Anfang März eskalierte der Konflikt zwischen Israel und der schiitischen Miliz Hisbollah. Niemand wusste, wie weit der Konflikt noch eskalieren würde; viele Menschen flohen aus dem Land. Die Strassen waren so unsicher, dass die Schule drei Wochen schliessen musste. Manche Familien bereiteten sich auf die Flucht vor.
Das Beeka-Tal, in dem Khirbet Kanafar liegt, ist zwar nicht im Kampfgebiet, gilt aber als Rückraum für die Hisbollah und ist daher gefährdet. «Seit der Waffenruhe ist es ruhiger geworden», erzählt Haddad im Interview via Zoom. «Aber uns fordern nicht nur der politische Konflikt, sondern auch die wirtschaftliche Misere.» Strom, Lebensmittel, Diesel, Schulmaterial: Alles würde ständig teurer. Sie zuckt mit den Schultern: «Das Wort <stabil> haben wir sowieso nicht im Vokabular.»
