Eine breite kirchliche Allianz hat sich für das neue Energiegesetz starkgemacht. Entsprechend gross war die Freude über die Annahme der Vorlage. «Das ist auch eine Verpflichtung, mit gutem Beispiel voranzugehen», sagt Kurt Aufdereggen von der Fachstelle Oeku, dem ökumenischen Beratungsorgan der Kirchen für Ökologie. Ein möglicher Weg, den Worten Taten folgen zu lassen, ist der «Grüne Güggel». Das von den Kirchen in Deutschland übernommene Umweltmanagementsystem verpflichtet zertifizierte Kirchgemeinden, Pfarreien und kirchliche Einrichtungen systematisch nachhaltiger zu werden und Massnahmen wie Energiesparen, ökologischen Einkauf oder Fördern der Biodiversität umzusetzen.
Viele Wege zu mehr Ökologie. Die Oeku engagiert sich seit drei Jahren für den Grünen Güggel. Bisher wurden schweizweit neun Zertifikate vergeben, im Kanton Zürich zum Beispiel an die reformierten Kirchgemeinden Meilen, Stäfa und Dübendorf. Zum Höhenflug hat der Grüne Güggel also noch nicht angesetzt. «Viele Kirchgemeinden fürchten den Zeitaufwand», sagt Jeannette Behringer, Präsidentin der Oeku-Kommission «Umweltmanagement Schweiz» und bei der reformierten Zürcher Kirche unter anderem für Nachhaltigkeit zuständig.
Tatsächlich braucht es ein engagiertes Team für den Zehn-Schritte-Prozess bis zum Zertifikat. Behringer sieht darin aber auch Chancen: «Für eine Umweltgruppe lassen sich oft Leute gewinnen, die sich sonst kaum in der Kirche engagieren.» Und sie betont, dass auch kleinere Schritte sinnvoll sind. Mit einer ökologischen Erstberatung, deren Kosten die Zürcher Kirche den Kirchgemeinden erstattet, würden mit wenig Aufwand oft erstaunliche Resultate erzielt. Dass Energieberatungen von den Kirchgemeinden weniger nachgefragt werden als finanzielle Unterstützung für bauliche Massnahmen, hält Kurt Aufdereggen für falsch. «Eine Bestandesaufnahme garantiert, dass als Erstes das gemacht wird, was am meisten bewirkt.»
Muss investiert werden, gibt es in einigen Kirchen Ökofonds. So finanziert die reformierte Kirche Bern-Jura-Solothurn Solaranlagen mit. Und im Aargau hat die katholische Kirche einen Fonds von einer Million Franken eingerichtet, der rege genutzt wird. Auch auf reformierter Seite stehen im Aargau 300 000 Franken für eine bessere Ökobilanz bereit.
Aufdereggen ist zuversichtlich, dass auch der Grüne Güggel Aufwind bekommt. Kürzlich hat die Oeku zwanzig Umweltberater ausgebildet. Für mehr Vernetzung in den Gemeinden wurden auch Fachleute des säkularen Pendants Energiestadt mit dem kirchlichen Label vertraut gemacht.
Verantwortung übernehmen. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, hat sich nun die Zentralverwaltung der reformierten Berner Kirche auf den Weg zur Zertifizierung gemacht. Am Zürcher Sitz ist dies zwar noch kein Thema. Doch es sei viel getan worden, um die gesamtkirchlichen Dienste auf Ökokurs zu bringen, berichtet Behringer. Auch die Kirchgemeinden sollen weiter motiviert werden. So laden die drei Zürcher Landeskirchen am 26. Juni zu einem Abend über Umweltmanagement ein. Behringer ist überzeugt: «Schöpfungsverantwortung ist heute eine der wichtigsten Herausforderungen für die Kirchen.»
