Eine Chance für die Kirche

Kommentar

Der Gegenvorschlag zur Schöpfungsinitiative kommt in der Zürcher Landeskirche vor das Volk. Das ist richtig. Für eine konstruktive Debatte wünschenswert ist eine verbale Abrüstung.

Setzte die Diskussion in der Synode den Ton für den Abstimmungskampf, steht der Zürcher Landeskirche ein heisser Herbst bevor. Die Schöpfungsinitiative hat ganz offensichtlich Emotionen ausgelöst. Die Gegnerinnen und Gegner stellten das Initiativkomitee unter Ideologieverdacht, weil es verlangt, dass Heizungen ersetzt und Ökologie sowie Klimafragen in Bildung und Spiritualität eine grössere Rolle spielen in der reformierten Kirche.

Versöhnliche Töne

Die Welt ist wahrlich von anderen Ideologien bedroht als vom Versuch, der Klimaerwärmung Einhalt zu gebieten – auch wenn der Handlungsspielraum der Landeskirche gering sein mag. Ob der Gegen­vorschlag zur Schöpfungsinitiative allerdings die richtige Ant­wort auf die Klimakrise ist, darüber lässt sich trefflich streiten.

Im Kirchenparlament waren auch versöhnliche Töne zu hören. So lehnte Simone Schädler von der Evangelisch-kirchlichen Fraktion Gegenvorschlag und Initiative ab, anerkannte aber explizit, dass die Vorlage auf Ideen junger Menschen zurückgehe, die gemeinsam spirituell unterwegs seien: «Sie kleben sich nicht auf die Stras­se, sie gehen den politischen Weg.»

Zurück an der Basis

Dass der Gegenvorschlag, der eine weitgehende Umsetzung der In­itiative vorsieht, nun vor das reformierte Stimmvolk kommt, ist zu begrüssen. Einige Abstimmungsresultate fielen in der Detailberatung äusserst knapp aus, klare Mehrheiten gab es bei relativ vielen Absenzen kaum. Zudem will der Gegenvorschlag das Umwelt­label Grüner Güggel für Kirchgemeinden als verbindlich erklären, ein Volksvotum würde einem solchen Schritt zusätzliche Legi­timation verleihen. 

Die Abstimmung im Herbst bietet den Kirchgemeinden die Chance, über Massnahmen zur Reduktion von Emissionen und ökologische Verantwortung zu diskutieren. Die Schöpfungsini­tiative entstand an der Basis. Das Referendum bringt sie dahin zurück.