Er will Junge für die Kirche begeistern

Diakonie

Lukas Bärlocher ist Sozialdiakon in Zürich. So kreativ und vielseitig wie er ist auch sein Wohnprojekt in einem einstigen Pfarrhaus.

«Hereinspaziert.» Lukas Bärlocher öffnet die Haustür mit einer einladenden Geste. Er ist sichtlich gut gelaunt. Bei der Garderobe liegen die Schuhe kreuz und quer, viele Jacken hängen an den wenigen Haken. Kein gewöhnlicher Haushalt, so viel steht fest. Hat sich das Quartier in Albisrieden an diesem Morgen eben noch wolkenverhangen und kalt präsentiert, ist es hier drin sogleich urgemütlich. Pflanzen zieren das Wohnzimmer im Urban-Jungle-Stil. «Sie sind eine meiner Leidenschaften», sagt er. Sein Blick schweift durch das weit geöffnete Fenster hinaus in den Garten, wo bereits die ersten Frühlingsboten spriessen. Eine Oase mitten in der Stadt. Einstiges Pfarrhaus, ehemalige Kinderkrippe und jetzt eine Wohngemeinschaft mit einer Mission: «Wir wollen junge Leute für die Kirche begeistern.»

Gast aus Nigeria

«698 Arbeitsstunden stecken drin», sagt Bärlocher. Stolz führt er durch das schick eingerichtete Haus. Mit den anderen fünf Bewohnerinnen und Bewohnern hat er es eigenhändig renoviert. Sie alle engagieren sich in irgendeiner Form für die reformierte Kirche. Lukas Bärlocher selbst arbeitet als Sozialdiakon im Projekt Zytlos in Zürich-Enge. In ihrer Wohngemeinschaft wollen sie Kirche leben: als Raum der Spiritualität, Treffpunkt und einfach als Ort, an dem man sein und diskutieren kann. Denn für junge Leute sei der Gottesdienst am Sonntagmorgen oft nicht sonderlich attraktiv. «Sie wollen nicht einfach zuhören, sondern ihren Glauben erleben und entdecken.» Sobald die Corona-Massnahmen zurückgefahren werden, soll das Haus für verschiedene Veranstaltungen offenstehen: Brunchs oder Krimidinners mit Konfirmandinnen und Konfirmanden.

Für das Pfarrhaus bezahlen die Bewohnerinnen und Bewohner eine reguläre Miete. Ein Zimmer ist für eine Person in Not reserviert. Vor Kurzem eingezogen ist ein Gast aus Nigeria. Seine Tür ist an diesem Morgen die einzige, die zu ist. Er arbeitet in der Nacht bei der Post und schläft tagsüber. Gutes tun, anderen Menschen helfen ist für Bärlocher selbstverständlich. Geprägt hat ihn die Cevi. Zuerst in Thalwil, wo er aufgewachsen ist. Dann die Cevi Gossau im Zürcher Oberland. «Dort gab es Bands und grosse Emotionen, was mich stark anzog», sagt er und streicht sich die Fransen aus der Stirn. So stark, dass er als Lehrerstudent sechs Jahre bei der ICF Church als Jugendleiter tätig war. Neben vielen guten Erlebnissen machte er in der Freikirche auch schlechte Erfahrungen. «Als sich mein bester Freund als homosexuell outete, gab es unschöne Szenen.» Heute sieht er die Organisation kritisch.

Sie wollen nicht einfach zuhören, sondern ihren Glauben erleben und entdecken.

Spürbare Spiritualität

Etwas will er aber in die reformierte Kirche, «meine eigentliche Heimat», einbringen: «Auch sie soll in einem frischeren Gewand daherkommen.» Dafür baute er in Thalwil den Jugendgottesdienst «in-fusion» auf, für den mehrere Dutzend Leute zusammenkamen. Die Vorbereitungen beanspruchten jeweils einen ganzen Tag. «Mit Band und einer spürbaren Spiritualität.» Bärlocher ist ein Macher, voller Energie, immer auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. Tierisch freut er sich auf die nächste: Bald schon werden zwei Hunde zur Wohngemeinschaft stossen. «Endlich habe ich genug Platz, um mir diesen und viele weitere Wünsche zu erfüllen.»

Lukas Bärlocher, 27

«Aufgewachsen ist Lukas Bärlocher in Thalwil. Zunächst absolvierte er die Ausbildung zum Primarlehrer. Heute arbeitet er als Sozialdiakon für das Projekt «Zytlos» im Kirchenkreis 2. Der leidenschaftliche Fotograf und Filmemacher hat sich zudem als Videographer selbständig gemacht.