Wie haben Sies mit der Religion, Frau Troska?
Ehrlich gesagt, gar nicht. Ich bin katholisch erzogen worden als Tochter eines polnischen Paares in Bonn und musste bis ins Teenageralter am Sonntag immer in die Kirche gehen. Weil die Messe auf Polnisch war, habe ich wegen der vielen theologischen Begriffe nie wirklich Zugang zur Religion und zu Gott gefunden. Irgendwann durfte ich selbst entscheiden und bin dann nicht mehr in die Kirche gegangen.
Vielleicht hätten deutsche Gottesdienste Sie besser erreicht.
Vielleicht hätte es etwas verändert. Doch ich finde es überhaupt nicht schlimm, dass es nicht so ist. Und trotzdem finde ich auch als Aussenstehende Religion und den Glauben an sich sehr schön. Ich mag den Gedanken, dass Menschen etwas haben, woran sie sich festhalten können, wenn sie Halt brauchen.
Zurzeit stehen Sie in Bern im Musical «Jesus Christ Superstar» als Maria Magdalena auf der Bühne. Wie kamen Sie zu dieser Rolle?
Ich wurde direkt von Bühnen Bern angefragt. Doch die Rolle war längst auf meiner Wunschliste, sie bedeutet mir viel. Mehr, als ich zuvor gedacht hatte.
Inwiefern?
Ich habe gemerkt, dass mir diese Figur ähnlicher ist als erwartet. Sie ist empathisch, hat immer ein Auge auf alles, kümmert sich um andere und sehnt sich nach Frieden – zuerst für die anderen, dann für sich selbst. Das zu realisieren, war für mich spannend und hat mir sehr geholfen, in die Rolle hineinzufinden.
Einige Ihrer Songs im Musical klingen etwas kitschig …
Maria Magdalena ist eine der Hauptrollen, wird aber eher klein gehalten. Mir ist wichtig, ihr einen starken Charakter zu geben. Wir haben viel darüber gesprochen beim Proben. Ich finde, dass wir durch die Interpretation und die Inszenierung dem Kitsch etwas entgegenwirken können
