Die Bibel berichtet, dass Jesus Frauen, Männer und sogar Kinder von «unreinen Geistern» befreite. Es waren besonders diese «Dämonenaustreibungen», die seinen Ruf als Heilsbringer begründeten. Doch woher stammen diese Geister und Dämonen?
Luzia Sutter Rehmann, Professorin für Neues Testament an der Universität Basel, hat für ihr 2023 erschienenes Buch «Dämonen und unreine Geister» biblische Texte nach Dämonen, Geistern und Satan durchsucht. Über die Dämonen, die im Neuen Testament vorkommen, schreibt sie: «Der Begriff Dämon ist eine Chiffre, die auf etwas Ungutes hinweist, auf etwas Unsägliches, einen Todesschatten, der Lebenskraft raubt, bedrückt, quält.» In den Schöpfungstexten finde sich kein Hinweis auf die Erschaffung von Dämonen: «Gott hat keine Todesschatten geschaffen. Sie entstehen da, wo Hass und Gewalt herrschen.» Gemäss Luzia Sutter Rehmann gibt es keine Dämonen – wohl aber die Auswirkungen von Gewalt, Unrecht, Verbitterung und Verletzung.
Für die katholische Kirche gibt es das personifizierte Böse
Für die Lehre der römisch-katholischen Kirche sind Dämonen aber nach wie vor mehr als erlebte Traumata. Die Kirche versteht Dämonen als gefallene Engel, die sich aus freiem Willen von Gott abgewandt haben und den Menschen vom Heil abhalten wollen. Das hält der Katechismus der katholischen Kirche fest. Eine weitere theologische Grundlage ist das Lehrschreiben der Kongregation (heute: Dikasterium) für die Glaubenslehre «Christlicher Glaube und Dämonenlehre» von 1975. Die österreichische Theologin Teresa Schweighofer schrieb dazu: «Für das Lehramt der katholischen Kirche steht fest: Es gibt nicht nur das abstrakte Böse, sondern auch das personifizierte Böse. Beide können auf unsere erfahrbare Welt einwirken.»
Die rituelle Vertreibung böser Mächte und Geister aus Menschen, Lebewesen oder Gegenständen wird als «Exorzismus» bezeichnet (griechisch: exorkismós, «das Hinausbeschwören»). Entsprechende Praktiken gab es schon in der vorchristlichen Antike, und es gibt sie auch in anderen Religionen. Im Christentum geht die Praxis auf das Neue Testament zurück, in dem Jesus mehrfach Dämonen austreibt und seinen Jüngern die Vollmacht dazu überträgt. Die römisch-katholische Kirche kennt den sogenannten «kleinen Exorzismus», ein einfaches Befreiungsgebet, und den «grossen Exorzismus», ein streng geregeltes, offizielles Kirchenritual.
Im Mittelalter war das oberste Ziel eines Exorzismus, die Seele des Menschen für die Ewigkeit zu retten; dass Betroffene bei Teufelsaustreibungen verletzt wurden oder sogar starben, kam immer wieder vor.
