Die sogenannte Widmer-Studie präsentiert ein durchwachsenes Bild: Einerseits zeigt sie auf, dass die Landeskirchen weiterhin wichtige gesellschaftliche Akteure sind und ihre Angebote auf breiten Rückhalt in der Bevölkerung stossen. Andererseits bescheinigt sie ihnen aber auch eine «Erosion der öffentlichen Rolle». Welche Konsequenzen hat das für die Staatsbeiträge, die die Landeskirchen erhalten?
Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Das Vorgehen für diesen Entscheid ist mehrstufig: Ich stelle einen Antrag an die Regierung, diese wiederum an den Kantonstrat und der wird in knapp einem Jahr darüber entscheiden. Wie genau mein Antrag aussehen wird, kann ich noch nicht sagen. Aber er wird sich neben der Widmer-Studie auf weitere Elemente und Kriterien stützen.
Sie spielen auf eine zweite Studie an, die Ihre Direktion und die Kirchen an der Universität Zürich bei den Fachbereichen Soziologie und Religionswissenschaften in Auftrag gegeben haben.
Genau. Die zweite Studie untersucht nicht-monetäre Aspekte der religiösen Tätigkeit, die für die Gesamtgesellschaft wichtig sind. Da geht es etwa um den sozialen Zusammenhalt, die Vermittlung von Werten oder Spiritualität. Zusätzlich geht es bei dem Entscheid über die Höhe der Staatsbeiträge auch um politische Überlegungen, die gemacht werden müssen. Volksabstimmungen, die es gab, das bisherige Bekenntnis zur Kirche.
Inwiefern spielen die schrumpfenden Mitgliederzahlen der Kirchen eine Rolle?
Keine. Denn die Gelder, die der Staat der Kirche zur Verfügung stellt, sind Gelder für Leistungen, die der gesamten Gesellschaft zu Gute kommen. Also nicht nur den Mitgliedern, sondern allen Menschen. Eine wichtige Überlegung ist dabei: Die Bevölkerung insgesamt wächst. Die Kirche dagegen schrumpft. Wenn eine kleiner werdende Organisation mehr Menschen versorgen muss, dann ist es nicht logisch, dass sie dafür weniger Geld bekommt.
