Überraschend deutlicher Vorsprung bei zweitem Wahlgang

Kirchenpflege

Lukas Bärlocher setzt sich im zweiten Urnengang durch und holt den letzten offenen Sitz in der Zürcher Kirchenpflege. 

Es ist ein Resultat, das aufgrund seiner Deutlichkeit erstaunt. Lukas Bärlocher zog im zweiten Wahlgang in die siebenköpfige Exekutive der Zürcher Kirchgemeinde ein und eroberte den letzten freien Sitz. 

Der 33-Jährige liess beim zweiten Wahlgang für die Kirchenpflege am 14. Juni seine beiden verbliebenen Konkurrenten hinter sich. Bärlocher erhielt mit 6156 Stimmen fast gleich viele wie Christian Aebi mit deren 4125 und Marcel Roost mit 2506 zusammen. Die Stimmbeteiligung lag bei über 25 Prozent und war damit rund doppelt so hoch wie noch beim ersten Wahlgang im April. Damals lag sie bei 13 Prozent. Allerdings waren anders als diesmal keine politischen Abstimmungen angesetzt. 

Im Gegensatz zu Aebi und Roost gehört Bärlocher keinem der zwei grossen Teams um Res Peter und Mona Schatzmann an. Der Kommunikationsprojektleiter schaut gerührt auf die letzten Wochen und das klare Verdikt zurück: «Der Wahlkampf war stets intensiv, manchmal schön, manchmal hart. Umso mehr bedeutet mir dieses Resultat.» Bärlocher war einer der jüngsten Anwärterinnen und Anwärter im Feld der einst noch 15 Kandidierenden.

Das Zünglein an der Waage 

Im ersten Wahlgang wurden bereits die bisherigen Mitglieder Michael Braunschweig und Michael Hauser sowie Res Peter als Präsident gewählt. Hinzu kamen Anna Katharina Hotz Semadeni, Mona Schatzmann und Céline Reymond. 

Viele wollten eine unabhängige Stimme.
Lukas Bärlocher, gewähltes Mitglied der Kirchenpflege

Bärlocher glaubt, dass für seine Wahl «mehrere Faktoren» zusammenkamen. «Viele wollten eine unabhängige Stimme.» Alle anderen gewählten Mitglieder unterstützten im Rennen um das Präsidium Peter oder Schatzmann. Bärlocher will die Wahl jedenfalls «nicht als Jung gegen Alt lesen», und ergänzt: «Viele Menschen wünschen sich eine Kirchenpflege, die näher bei den Menschen ist, Beteiligung ernst nimmt und die Zukunft der Kirche nicht nur verwaltet, sondern gestaltet.»

Präsident Res Peter zeigt sich grundsätzlich erfreut, dass neben Reymond, die wie Bärlocher Jahrgang 1993 hat, nun ein weiterer Vertreter der jüngeren Generation mit im Gremium sitze: «Sein Alter hat wohl eine Rolle gespielt.» Aber letztlich habe wohl «sein soziografisches Profil am stärksten den Nerv der Zeit getroffen». 

Peter hätte gern einen Finanzexperten in der Exekutive begrüsst. Bärlocher falle gemäss Peter nun ein wenig die Rolle des «Züngleins an der Waage» zu, wenn es Anfang Juli um die Ressortverteilung gehe.  In dieser Rolle sieht sich Bärlocher selbst weniger. «Das Bild ist mir zu taktisch, der Wahlkampf ist vorbei, jetzt tragen wir gemeinsam Verantwortung.» Er hat das Kollegialprinzip bereits verinnerlicht. 

Bei der Ressortverteilung sieht er am ehesten Anknüpfungspunkte in den Bereichen Lebenswelten, Kommunikation, Personal oder Organisationsentwicklung. Peter sagt, dass er nun mit allen reden werde. «Dann eruieren wir im Kollegium, was möglich ist.»