«Gerade versuche ich einer Familie zu helfen, die nicht weiss, wo sie ab Freitag wohnen kann», erzählt Karin Roth. «Zehn Telefonate habe ich bereits geführt, um kurzfristig eine Unterkunft für die Familie zu finden.» Für die Standortverantwortliche des Heks-Beratungsschalters in Chur ist ihre Aufgabe mehr als nur ein Job. «Ich fiebere bei einigen Ratsuchenden regelrecht mit.»
Mehr als ein Job
«Gerade versuche ich einer Familie zu helfen, die nicht weiss, wo sie ab Freitag wohnen kann», erzählt Karin Roth. «Zehn Telefonate habe ich bereits geführt, um kurzfristig eine Unterkunft für die Familie zu finden.» Für die Standortverantwortliche des Heks-Beratungsschalters in Chur ist ihre Aufgabe mehr als nur ein Job. «Ich fiebere bei einigen Ratsuchenden regelrecht mit.»
Seit April 2024 können Menschen mittwochs und donnerstags in den Kulturpunkt in Chur kommen und werden von Karin Roth und ihrem Team beraten. Hilfe beim Ausfüllen von Formularen, Unterstützung bei der Job- oder Wohnungssuche oder auch ein offenes Ohr, Tee und Guetzli bieten Roth und ihr Team. An den Beratungstagen sind sie jeweils zu viert. Die Hauptamtlichen können auf einen Pool von 15 Freiwilligen aus verschiedenen Ländern zählen. «Sie dolmetschen zum Beispiel. Denn eine Beratung durch Landsleute ist ein grosses Plus», sagt Roth.
Keine Anmeldung nötig
Die Angebote vom Heks-Beratungsschalter sind offen für jede Person und bewusst niederschwellig: «Es braucht keine Anmeldung», sagt Sozialpädagogin Karin Roth. Wer in den 2,5 Stunden am Nachmittag den Schalter aufsucht, ist jedes Mal eine Überraschung. «Wir sind ein zusätzliches Beratungsangebot und arbeiten eng mit andern Stellen zusammen oder triagieren, wo es Sinn macht», sagt Roth.
Sprache lernen
Sei jedoch ein Asylantrag mehrfach abgelehnt worden, so bringe es nichts, sich falsche Hoffnungen zu machen, sagt Roth. «Wir versuchen dann, den Ratsuchenden menschlich mit einem freundlichen Abschiedsgespräch zu begegnen.» Daher wird auf der Beratungsstelle auch anders als auf einem Amt eine Du-Kultur gelebt. Und immer wieder muss das Beratungsteam auch zur Geduld mahnen: «Manche Menschen, die in die reiche Schweiz kommen, denken, dass sie sofort Geld verdienen können. Aber das ist nicht so», sagt Roth. Vielmehr stehe erst einmal das Erlernen der deutschen Sprache an, um dann ein gutes Jobangebot zu erhalten.
Im Winter kommen viele Maurer und Gipser
Jetzt im Winter kommen auch viele Gipser und Maurer via RAV zur Beratung. Mit der Abschaffung des Saisonnierstatuts 2002 muss die Arbeitsvermittlung einspringen, da die Baufirmen den Handwerkern zum Winter oft kündigen. «Fehlende Tagesstrukturen können Alkoholismus verstärken und dadurch auch vermehrt zu Gewalt in den Familien führen», weiss Karin Roth. Immer versucht sich das Heks-Team daher ein umfassendes Bild von der Situation der Ratsuchenden zu machen und Wege zum Erleichtern des Lebens aufzuzeigen. «Kürzlich nahm jemand das Angebot zum gemeinsamen Essen und Kochen an. Später sagte er, dass er sich lange nicht mehr so unbeschwert gefühlt habe.»
Die gemeinsamen Essen sind Angebote aus dem Winterprogramm des Heks Neue Gärten Chur. Ein Projekt, das die Sozialpädagogin und gelernte Gärtnerin ausserdem leitet. Hier jäten und pflanzen im Sommer 20 Personen aus 15 Ländern miteinander. Es geht um Gemeinschaft und Austausch: «Wenn alle Blattläuse haben, haben wir sofort ein gemeinsames Thema», sagt Roth und lacht.
Weiter Horizont für alle
Als passionierte Köchin und Bäckerin schätzt Karin Roth die Kulinarik anderer Kulturen: «Davon können wir Schweizerinnen und Schweizer lernen, wie wir auch noch besser kochen können.» Ihr ist es ein wichtiges Anliegen, aufzeigen zu können, dass die Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern nicht bloss eine Belastung darstellt, sondern den eigenen Horizont erweitern kann. Abends trifft sich die Garten-Crew zum Essen. Malik hat pakistanisch gekocht. Es wird gegessen und viel gelacht. Die unbeschwerte Gemeinschaft vertreibt jetzt die Sorgen des Alltags.
