Kirche und SRG stehen vor ähnlichen Herausforderungen: weniger Mitglieder oder Zuschauer, weniger Geld. Beide haben dennoch eine wichtige gesellschaftliche Aufgabe.
Susanne Wille: Sie haben recht, auch wir sind gefordert. Aber es stimmt eben auch: unsere Formate gehören weiterhin zu den meistbeachteten Medien der Schweiz. Mitte Januar erschienen die neuesten Nutzerzahlen von SRF. Mit einem Marktanteil von 33,4 Prozent erreichten die TV-Formate den zweithöchsten Wert seit 2013.Das zeigt, wie gross das Vertrauen in unsere Angebote bleibt. Gleichzeitig verändert sich die Mediennutzung der Schweizerinnen und Schweizer rasant. Um relevant zu bleiben, müssen wir uns verändern. Hier sehe ich Parallelen zu den Kirchen: Wie können wir unserem bestehenden Publikum Sorge tragen und gleichzeitig Neues erreichen? Wie bewahren wir das Vertraute, ohne uns Neuem zu verschliessen? Zentral ist, dass wir unseren Kern nicht aus den Augen verlieren: Wir wollen ein Medienhaus für alle Menschen in der Schweiz sein, ein Ort des Dialogs und des Austauschs.
Die Kirche spricht von ethischer Verantwortung und Gemeinschaft. Auch die SRG hat mit ihrem Service public eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft. Kann sie diese Aufgabe mit weniger Geld erfüllen?
Unser Auftrag ist es, zur gegenseitigen Verständigung beizutragen und unterschiedliche Lebenswelten abzubilden. Diesen Auftrag nehmen wir ernst. Unsere Programme schaffen Räume, in denen Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zusammenkommen. Wir sind nah bei den Menschen aus allen Regionen und Milieus der Schweiz. Im besten Fall schaffen es unsere Sendungen, das Verständnis zwischen diesen oft weit auseinanderliegenden Lebenswelten zu stärken. Auch hier sehe ich Parallelen zu den Kirchen, die eine grosse gesellschaftliche Klammer bilden. Doch dieser Auftrag ist kein Selbstläufer. Ein Ja zur Halbierungsinitiative würde diesen Auftrag schlicht unmöglich machen. Es ist klar, dass dann dieses Verbindende und Gemeinschaftliche gefährdet wäre. Ich liebe dieses Land und sehe, wie wichtig ein starkes öffentliches Medienhaus ist, das in allen vier Landessprachen Inhalte produziert.
