«Hineni Hineni / Im ready, my lord.» Das Titelstück «You Want It Darker» klingt, als ob Leonard Cohen selbst sein ganz persönliches, dunkles Kaddisch sprechen würde. Das jüdische Gebet zum Totengedenken. Das hebräische «Hineni» spielt auf Genesis 22,1 an, wo Abraham von Gott gerufen wird und antwortet: «Hier bin ich.» Was folgt, ist die grausame Prüfung Abrahams. Er soll seinen Sohn Isaak opfern. Seine Bereitschaft befreit ihn von Gottes Befehl und bringt die Verheissung des Bundes über alle kommenden Generationen hinweg.
Cohen bezeugt im Sprechgesang seine Bereitschaft zur letzten Prüfung: das Sterben. Zugleich tun sich historische und aktuelle Abgründe auf, wenn er singt: «A million candles burning / For help that never came.» Unzählige Töchter und Söhne starben und sterben, ohne dass ein Engel das Messer aus der Hand nahm. Im Schreiben über die eigene Existenz öffnen sich hier unverhofft die Räume des kollektiven Gedächtnisses.
