Daniel Pfister unterrichtet Romanisch, Sport, Werken und Ethik-Religionen-Gemeinschaft (ERG) an der Scola Ilanz. Im kommenden Schuljahr wird ein weiteres Fach dazukommen: Religion.
Doch was ist der Unterschied zwischen ERG und Religionsunterricht? ERG ist kantonal verantwortet, Religion kirchlich. Der Unterricht wird mit Inhalten aus dem ökumenischen Lehrplan gestaltet. Dieser wurde bereits 2018 vom Kanton zugelassen.
Website für Lehrpersonen
Wie der Unterricht konkret inhaltlich gestaltet wird, das ist den einzelnen Lehrpersonen überlassen. Menschen wie Daniel Pfister und seinen kantonsweit 119 Kolleginnen und Kollegen im Fach Religion. Sie lernen nun etwas kennen, was in anderen Fächern Standard ist, für Graubünden aber fehlte: ein Lehrmittel mit dem Titel «Nach Gott und der Welt fragen».
An dieser Stelle kommt Barbara Hanusa ins Spiel. Die Pfarrerin und Pädagogin leitet seit 2022 die Fachstelle Religionspädagogik der Evangelisch-reformierten Landeskirche in Chur. Dort konzipierte sie eine Ausbildung zur Religionslehrperson neu und entwickelte im Auftrag des Kirchenrats ein Lehrmittel. Dabei setzte sie auf ein Team aus acht Fachpersonen, die das digitale Lehrmittel erarbeiteten. Inzwischen liegt es als Website vor und ist vom Team im Unterricht erprobt worden.
Fortbildung absolvieren
Wer mit dem Lehrmittel arbeiten möchte, muss zuvor eine Fortbildung dazu absolvieren. Barbara Hanusa erklärt, wie der Gebrauch funktioniert: «Jede Lektion hat eine übergreifende Frage, mit der man sich eine Lektion lang beschäftigt, zum Beispiel: Was wäre, wenn Gott uns mal besuchen würde? oder Warum soll ich mich bei Gott bedanken, der kocht doch nicht!» Die Fragen wurden altersgerecht zunächst für die Primarschule gestellt, bis spätestens Ende Jahr sind die Lektionenblätter für die Oberstufe online verfügbar.
«In einer 45-Minuten-Lektion soll aber nicht ziellos diskutiert werden, sondern verschiedene Bausteine – etwa passende Bibeltexte, Lieder und Bilderbücher – können den Unterricht bereichern», erklärt Hanusa und klickt sich durch die Lektionen. Genau, wie es dann auch Lehrpersonen tun können. Denn das Lehrmittel ist als Website für Lehrpersonen, nicht als Lernprogramm für die Schülertablets gedacht.
«Nach Gott und der Welt fragen» nimmt ausserdem Rücksicht darauf, dass nicht alle Bündner Schulhäuser mit Whiteboards ausgestattet sind. Und Hanusa betont darüber hinaus: «Ein digitales Lehrmittel kann nie fertig sein. Das macht es gerade wertvoll.» Das Angebot bleibt also ständig in Arbeit.
Ein Angebot, keine Pflicht
Schliesslich betont Barbara Hanusa, das Lehrmittel sei ein Angebot, keine Pflicht. Und es sei konfessionssensibel gestaltet, zum Beispiel in theologischen Kernfragen wie dem unterschiedlichen Verständnis des Abendmahls. «So lernen auch reformierte Kinder, was ein Tabernakel für Hostien ist. Religion ist auch Bildungsunterricht.»
Ob die katholische Seite mitmacht, ist noch offen
Noch offen ist, ob und welchen Beitrag die katholische Kirche zum neuen Lehrmittel beisteuert. Thomas M. Bergamin, Präsident der Katholischen Landeskirche Graubünden, sagt gegenüber «reformiert.»: «Wir freuen uns sehr, dass die Reformierte Landeskirche Graubünden ein digitales Lehrmittel für den ökumenischen Lehrplan entwickelt hat.» Im Herbst dann wird das Landeskirchenparlament entscheiden, ob auch die katholischen Religionslehrkräfte künftig mit dem Lehrmittel arbeiten werden.
In Ilanz jedenfalls freut sich Daniel Pfister bereits auf das neue digitale Angebot für seinen Religionsunterricht: «Das neue Lehrmittel erleichtert den Unterricht. Es entlastet, weil es eine Grundlage gibt, einen roten Faden hat.»
