Wenn sich menschliche Logik mit Gott abmüht

Philosophie

Gibt es logische und unumstössliche Argumente, mit denen sich beweisen lässt, dass Gott existiert? Manche Denker glauben es – aber es bleibt eine Glaubensfrage. 

Menschen, die an Gott glauben, fänden es manchmal dienlich, wenn sie gegenüber Skeptikern mit dem schlagkräftigsten aller Argumente auftrumpfen könnten: mit dem Beweis, dass Gott existiert. Gerade in der heutigen Zeit, wo viele Leute nur glauben, was sich beweisen lässt.

Jüngst ist ein neues Buch zum Thema erschienen: Der deutsche Journalist und Philosoph Sebastian Ostritsch beschäftigt sich in seinem Werk «Serpentinen» mit dem Gottesbeweis des mittelalterlichen Theologen Thomas von Aquin. «Ich glaube nicht nur, dass es Gott gibt, sondern ich glaube auch, dass man es beweisen kann. Also beweisen in dem Sinne, dass man überzeugende, logisch zwingende, philosophische Argumente für seine Existenz formulieren kann», zitiert die NZZ den Autor.

Die klügsten Köpfe

Was hat es eigentlich mit dem sogenannten Gottesbeweis auf sich? Es sind gerade die klügsten Köpfe, die sich dieser Aufgabe angenommen haben. Schon die Philosophen Aristoteles und Seneca befassten sich mit dieser Frage, später die christlichen Theologen Augustin, Thomas von Aquin und Anselm von Canterbury, noch später Philosophen der Neuzeit wie Immanuel Kant und René Descartes. Sogar der österreichische Mathematiker Kurt Gödel tüftelte in den 1940er-Jahren an einer Gottesformel.

Der Gelehrte Anselm von Canterbury (1033–1109) wollte die Existenz Gottes mit der Annahme beweisen, dass Gott der ist, «über dem nichts Grösseres gedacht werden kann». In fünf Schritten argumentiert er, dass etwas, über das hinaus nichts Grösseres gedacht werden kann, nicht nur im Verstand, sondern auch in der Realität existiert.

Anders setzt der Theologe und Philosoph Thomas von Aquin (1225–1274) an: In seinem kosmologischen Gottesbeweis ist Gott die Ursache allen Seins, die selber keine Ursache hat.
Egal ob ontologischer, kosmologischer, teleologischer, moralischer oder mathematischer Gottesbeweis: Sie alle haben einen Haken. Nämlich den, dass nur etwas bewiesen werden kann, das eindeutig definiert ist. Was sich von Gott, zumindest aus heutiger Sicht, nicht sagen lässt.

In seinem 2024 erschienen Buch «Der christliche Glaube und die vierte Dimension» sagt es der Mathematiker und theologische Autor Otto Bachmann so: «Der Begriff Gott müsste durch Axiome erfasst werden können. Dies ist aber bei einem Gott, der über allem ausser sich selbst steht, nicht möglich.» Infolge dieser Grundproblematik sei jeder Versuch, bei einem so definierten Gott dessen Existenz zu beweisen, zum Scheitern verurteilt.

Erfahrbar im Berührtsein

Das ist jedoch nicht weiter tragisch. Denn vermutlich hat es noch kein logischer Gottesbeweis geschafft, auch nur einen einzigen Menschen zum Glauben zu bringen. Die nachhaltigste Überzeugungskraft haben persönliche Gotteserfahrungen. Denn Gott ist das Eine und das Andere, das Alles im Nichts, das Grösste im Kleinsten, der Urgrund allen Seins – und erfahrbar nur in der Beziehung, im Berührtsein.