Es gibt Städte, die ihre Reformation feiern, indem sie diese auf einen Sockel erheben. Basel hat stattdessen ein schlichtes Münster, dessen kahle Wände von den Bilderstürmen erzählen, und einen Buchdruck, der einst so mächtig war, dass Gelehrte in die Stadt zogen. Wer heute durch Basel geht, sieht davon wenig – und doch, sagt die Kirchenhistorikerin Andrea Hofmann, ist die Reformation hier noch spürbar: in der Weltoffenheit und im Stolz darauf, nie ganz in eine Schublade gepasst zu haben.
Die Reformation in Basel war keine Revolution, sondern eine Entwicklung, die sich etwa im Kirchengesang abzeichnete. Was geschah da?
Andrea Hofmann: 1526 schrieb Oekolampad, der Basler Reformator, man habe im Gottesdienst deutsche Psalmen gesungen – eigentlich ungeplant, aber es geschah, und es war ganz gut so. Anders als Luther, der eine ganze Musiktheologie um sich herum aufbaute, hatte Oekolampad kein solches Programm. Bei ihm zeigt sich früh etwas anderes: Die Gemeinde beteiligt sich aktiv, indem sie singt. Auf Deutsch, nicht auf Latein. Zusammen mit der deutschen Messe, dem Abendmahlskelch für alle Gläubigen und der Kritik an alten Bräuchen zeigt das, wie die Bevölkerung den Umbruch langsam mitträgt.
Basel war auch Schauplatz eines Machtkampfs zwischen den Zünften, dem Bischof und altgläubigen Ratsfamilien. War die Reformation für diese Kreise ein Vorwand, endlich abzurechnen – und sich zu bereichern, als die Klöster aufgehoben wurden?
Da ist an allem ein bisschen etwas dran. Die Konflikte mit dem Bischof, das Aufbegehren der Zünfte gegen die privilegierten Klöster gab es schon vorher. Neu ist nur die theologische Begründung. Ich würde aber betonen: Das waren hochfromme Menschen. Ich glaube nicht an reine Instrumentalisierung, sondern an ein tiefes Bedürfnis, die Kirche zu erneuern und Missstände zu beheben. Die Rückbesinnung auf das, was tatsächlich in der Bibel steht, war für die Basler Reformation zentral. Und ja, es ging auch ums Geld: Viele Güter und Rechte der Kirche gingen an die Stadt, die damit allerdings auch ein neues System für Armenfürsorge und Waisenkinder aufbaute. Der Reichtum der Kirche, an dem der Rat gerne Anteil gehabt hätte, war schon vor der Reformation ein Streitpunkt.
