Mit von der Partie beim Start- und Treffpunkt am Wollishofer Seeufer ist nebst Baumgartner und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch Franziska Bark Hagen. Sie ist seit 2024 Zürcher Pilgerpfarrerin und Initiatorin dieses speziellen Formats. Die Idee dahinter sei, «Pilgern in den Alltag mit einzubauen, und zwar auf ganz niederschwellige Art», erklärt Bark Hagen.
In der Stille präsent sein
Für die Teilnahme braucht es weder eine Anmeldung, noch ist eine weite Anreise nötig, sofern man aus dem Raum Zürich kommt, natürlich. Das Besondere an allen Angeboten des Pilgerzentrums: Essenzieller Bestandteil der Touren ist das Schweigen. Während des Laufens soll es ums «Präsentsein im Stillen gehen», wie Bark Hagen es formuliert. Das Schweigen mache es leichter, bei sich selbst anzukommen.
An diesem warmen und sonnigen Spätsommertag im September finden sich für einmal nur wenige Pilgerfreudige ein. Rund ein halbes Dutzend schliesst sich der von Jürg Baumgartner erstellten Tour an. Es sind stets Pfarrpersonen der Kirchgemeinde Zürich, die abwechselnd die Leitung eines Pilgerabends übernehmen. Gewisse haben ihre fixe Peergroup, und so sind manche Touren besser besucht als andere. «Es laufen jeweils zwischen 5 und 25 Leute mit», sagt Bark Hagen.
In der Pause wird gesungen
Für Baumgartner ist es das zweite Mal, dass er die Leitung übernimmt. «Mein Thema heute lautet ‹der Grenze entlang›», sagt er. Die Route beginnt am Seeufer und somit an der Grenze von Wasser und Land, danach geht es bei Kilchberg den Grenzsteig hinauf in Richtung Leimbach, entlang der Schwelle zwischen der Stadt und der eher ländlich geprägten Vorortsgemeinde.
Der kleine Tross setzt sich in Bewegung. Oft geht es im Gänsemarsch hintereinander her. Die Schweige-regel wird eingehalten. Zuweilen entlockt die dadurch etwas eigentümlich anmutende Gruppe Passanten einen fragenden Blick oder ein kurzes Lächeln. Man fällt etwas auf im geschäftigen Feierabendtreiben der Grossstadt. Ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt: Dank Jürg Baumgartner entfällt bei den Pilgernden die Notwendigkeit, sich selbst orientieren zu müssen. In Verbindung mit dem Schweigen entsteht ein Zustand, in dem man sich wie in ein sicheres Netz fallen lassen kann.
In den Flow kommen
Beim Gespräch am Ende des Abends schildert Teilnehmer Ulrich Krieger aus Zürich Seebach dieses Erlebnis so: «Es ist eine sehr interessante Erfahrung, in einer grösseren Gruppe zusammen schweigend zu gehen.» Das Pilgern erzeuge ein Gemeinschaftsgefühl, obwohl alle den eigenen Gedanken nachhängen. Es habe auch einen gewissen Charme, dass sich die Spazierenden nicht orientieren müssen. Das helfe dabei, «in einen Flow zu kommen».