Marika Kober, spirituelle Begleiterin: «Manchmal hilft ein Bild aus der Bibel oder ein Segenswort. Vor allem aber höre ich zu.» (Bild: Reto Schlatter)
Marika Kober, spirituelle Begleiterin: «Manchmal hilft ein Bild aus der Bibel oder ein Segenswort. Vor allem aber höre ich zu.» (Bild: Reto Schlatter)
Erstellt: 10.09.2010
Wege zur inneren Heimat erschliessen
Glaubenswege/ Die Pfarrerin Marika Kober erzählt, warum sie Spiritualin geworden ist und welches ihr Herzensgebet ist.

Ihre Masterarbeit in Spiritualität hat Marika Kober der Mystikerin Teresa von Avila gewidmet. Genauer gesagt den «Wohnungen der Inneren Burg», dem Bild Teresas für ihren Versenkungsweg, der zur siebten und innersten Seelenwohnung, zu Gott, führt.

Heimat. «Häuser haben mich schon immer fasziniert», erzählt die 48-jährige Theologin, die in einem Teilzeitpfarramt in Zürich-Höngg und in der eigenen Praxis für spirituelle Begleitung tätig ist. Bei einer der Meditationen während ihrer Ausbildung zur Spiritualin fand sie sich im Pfarrhaus ihres Grossvaters im heutigen Kroatien wieder. Dort, wo Donau und Drau zusammenfliessen und die Erde schwarz ist, verbrachte sie als Kind ihre Ferien. Als Tochter einer ungarischstämmigen Jugoslawin und eines Schweizers liebt sie diese fruchtbare Ebene genauso wie die Berge des Engadins, wo sie aufgewachsen ist. «Im Haus meiner ungarischen Grosseltern waren die Zimmer eines an das andere gereiht, im letzten und schönsten leuchteten aufgemalte Reben von einer Wand.» Während jener Meditation wurde ihr bewusst, warum sie für ihre Konfirmation den Spruch gewählt hatte «Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben» – «Solche Erinnerungen können zu inneren Schätzen werden, wenn man sie miteinander verknüpft», sagt Marika Kober.

Gebet. Ihrem Entschluss, die Ausbildung zur Spiritualin zu machen, war eine Zeit der Unsicherheit vorangegangen. Damals hatte ihr die geistige Begleitung durch die evangelischen Schwestern von Grandchamps sehr geholfen. Bei ihnen entdeckte sie die «Evangelisierung der Herzenstiefen» – einen Zyklus, in dem Theologinnen und Psychologinnen die Teilnehmerinnen auf einem seelischen Heilungsprozess begleiten, in Vorträgen, Gruppen- und Einzelgesprächen, eingebettet in die Stundengebete. «Da fand ich meine eigene innere Heimat, und rundum ordnete sich alles.» Heute wirkt sie selber im Zyklus mit.
Beten ist ihr seither sehr wichtig – am Anfang des Tages eine halbe Stunde in der Stille; auch das «Herzensgebet» aus der christlichen Mystik ist ihr lieb geworden. Dabei wird ein kurzer Satz immer wieder innerlich aufgesagt. «Du in mir, ich in Dir» – einatmen beim ersten Satzteil, ausatmen beim zweiten – ist ihr liebstes Herzensgebet.

Freiheit. «Jeden Menschen sprechen andere Worte an, andere Symbole erfüllen, andere Rituale nähren ihn.» Freiheit ist für Marika Kober bei spirituellen Begleitungen ein wichtiges Leitmotiv. Sie will die Menschen ermutigen, selber herauszufinden und frei zu wählen, was ihnen auf ihrem inneren Weg weiterhilft. Marika Kober möchte weiterhin als Pfarrerin mit einer Gemeinde verbunden bleiben und nicht ausschliesslich in ihrer «Theologischen Praxis» arbeiten. «Ich schätze die grosse Weite in der reformierten Kirche und dass ich da so vielen ganz unterschiedlichen Menschen begegnen kann.» Christa Amstutz

Spiritualin, Spiritual
Seit 1998 bietet die Weiterbildung für Pfarrerinnen und Pfarrer einen dreijährigen Ausbildungskurs an. Im letzten Jahr wurde er in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich zu einem vierjährigen Masterlehrgang in Spiritualität ausgebaut. Am 6. Oktober werden die ersten zehn Absolventinnen und Absolventen die Ausbildung abschliessen – Marika Kober gehört zu ihnen.