«Ich bin begeistert.» René Schütz mit seinen Patenenkeln Henrik und Svea (Bild: Roger Wehrli)
«Ich bin begeistert.» René Schütz mit seinen Patenenkeln Henrik und Svea (Bild: Roger Wehrli)
Erstellt: 26.08.2010 19:35:05
Statt Patenonkel ein Patengrossvater
Kinderbetreuung/Gemeinschaftszentren gehen mit dem Projekt Patengrosseltern alternative Wege

«Opa René, es regnet! Jetzt kommen alle Schnecken raus!», ruft Henrik. Der Dreijährige schwingt auf der Schaukel eines Spielplatzes in Zürich-Leimbach durch die Luft, angestossen durch einen Mann mit blütenweissem Hemd und grau meliertem Schnauz. «Ja, mein Schatz!», freut sich dieser mit dem Buben. Kaum zu glauben, dass René Schütz und Henrik sich erst seit Kurzem kennen. Anfang Sommer kamen der Junge und sein Schwesterchen Svea zu ihrem neuen Opa. Vermittelt durch das Gemeinschaftszentrum (GZ) Leimbach.

Sinnstiftend. «Willst du mein Grosi sein?» heisst das Projekt, das die Zürcher Gemeinschaftszentren 2008 ins Leben gerufen haben, nachdem immer wieder Familien und ältere Leute Bedarf angemeldet hatten. 2010 schloss sich die Nachbarschaftshilfe Schwamendingen an. Kinder zwischen null und zwölf Jahren, die wenig oder keinen Kontakt zu ihren Grosseltern haben, finden hier Frauen und Männer, die gerade das für sie sein möchten. Damit sollen Kinder eine ältere Bezugsperson erhalten, die Zeit für sie hat, und der man sich anvertrauen kann. Und ältere Leute eine sinnstiftende Aufgabe.

Aufgabe. Genau das suchte René Schütz nämlich, nachdem ihm mitgeteilt worden war, dass er mit 56 Jahren frühpensioniert würde. Im GZ Leimbach sah er die Ausschreibung des Projekts und dachte: «Das ist es.» Nach einem Bewerbungsgespräch, bei dem er einen Auszug aus dem Strafregister vorlegen musste, traf er im Frühling erstmals auf Henriks Familie. Man war sich so sympathisch, dass gleich ein wöchentlicher Betreuungsnachmittag verabredet wurde. Vorerst betreut der neue Opa in erster Linie Henrik, während Mutter Juliane die Zeit für Zweisamkeit mit ihrer einjährigen Tochter nutzt. Wenn das Mädchen älter ist, soll auch sie öfter was mit Opa René unternehmen. Inzwischen hat sich auch René Schütz' Partnerin Heidi Moosmann dem Projekt angeschlossen und übernimmt, wenn die Arbeit es ihr erlaubt, den Omapart.

Gewinn.
Henriks «richtige» Grosseltern wohnen in Berlin und Lübeck. «Wir wollten auch hier Grosseltern für unsere Kinder haben», sagt Mutter Juliane. «Ich finde ­eine solche Beziehung ganz wichtig, denn mit Grosseltern machen Kinder ganz andere Sachen. René und Heidi sind ein Riesengewinn für uns.» Auch René Schütz ist begeistert: «Ich finde es schön, Kinder ein Stück weit im Leben zu begleiten. Wir haben alle enge Bezugspersonen dazugewonnen.» Aho

 

Patengrosis gesucht!
Für das Projekt «Willst du mein Grosi sein?» werden noch Patengrosseltern und Familien gesucht.

Informationen:
GZ Affoltern, Tel. 043 299 15 10
GZ Leimbach, Tel. 044 482 57 09
Nachbarschaftshilfe Schwamendingen, Tel. 044 321 01 07