«Ich habe allem gelauscht, was mein Herz zu sagen hatte; habe ihm gestattet, seine eigene Sprache zu reden»: Robert Lax, Lyriker (Bild: Christiaan Diedericks)
«Ich habe allem gelauscht, was mein Herz zu sagen hatte; habe ihm gestattet, seine eigene Sprache zu reden»: Robert Lax, Lyriker (Bild: Christiaan Diedericks)
Erstellt: 27.08.2010
Der Mann, der die Worte sparsam setzte
Lyrik/ Robert Lax war einer der grossen Mystiker des 20. Jahrhunderts. Am 26. September jährt sich der Todestag des amerikanischen Lyrikers zum zehnten Mal.

«Verfolge den Frieden friedlich – such ihn zuerst in dir selbst.» Den Frieden zu lieben, anstatt für ihn zu kämpfen, das war Robert Lax ein lebenslanges Anliegen. Stets betrachtete er das Positive als die stärkere Kraft im Universum als das Negative.

1915 als Sohn jüdischer Einwanderer in New York geboren, arbeitete Lax nach seinem Studium als Texter und Redaktor bei den Zeitschriften «The New Yorker» und «Time Magazine». Er war eng befreundet mit vielen Künstlern, so mit dem Maler Ad Reinhardt und dem Religionsphilosophen Thomas Merton. Wie dieser konvertierte Robert Lax zum katholischen Glauben. Nach längeren Europareisen und der Gründung der Friedenszeitschrift «Pax» setzte er sich 1964 nach Griechenland ab. Hier, auf der Insel Patmos, verbrachte er die nächsten 36 Jahre seines Lebens – beschäftigt mit der «mystischen Reise um die eigene Achse».

Poesie. Als freiwilliger Asket setzte er das Prinzip der Entschleunigung allumfassend um. Langsam und bedächtig ging er, ass er und schrieb er. Aus dieser Konzentration auf das Wesentliche erwuchs eine spartanisch reduzierte Lyrik von grosser poetischer Kraft.
Freiheit. Für Robert Lax waren Leben und Schreiben eins, zeitgleich galt sein Blick dem Detail wie dem Ganzen. Als spirituell Suchender fand er die Antworten jenseits aller Dogmen: «Die Kirche, der ich angehöre, ist weit … Nicht ihre Grenzen interessieren mich, sondern ihre Möglichkeiten. Wenn ich mir so etwas wie eine ideale Kirche vorstelle, dann gehöre ich ihr gerne an. Sollte sie aber die Idee von Glauben, Hoffnung und Mildtätigkeit als Dimension des Lebens verlieren, wüsste ich nicht, wie ich mich mit ihr identifizieren könnte.»

Augenblick. Robert Lax war ein Vertreter des Moments. Im Hier und Jetzt fand er das Wesentliche: «Das Heiligste auf der Welt und das wirklich zu Feiernde ist der gegenwärtige Augenblick.»
Am 26. September 2000 starb Robert Lax in New York. Zehn Jahre nach seinem Tod ist es an der Zeit, diesen tief religiösen Meister der lyrischen Reduktion wiederzuentdecken. Annegret Ruoff

Robert Lax entdecken
Dem bekannten Sinnsuchenden widmen sich zahlreiche Publikationen.

  • Peter Wild: Von der Wachheit des Wartens. Robert Lax spirituell gelesen. Matthias-Gründewald-Verlag, 2010. Fr. 37.90. ISBN 3-7867-2800-3L
  • Robert Lax: Poesie der Entschleunigung. Ein Lesebuch. Pendo-Verlag, 2008. Fr. 35.90. ISBN 3-86612-156-3
  • Why should I buy a bed when all that I want is sleep? A chamber film with Robert Lax. DVD. Edition filmmuseum, 2006. Fr. 30.50.