| Erstellt: 27.08.2010 | |
Die Armut sitzt in Afrika. Im erdbebenerschütterten Haiti. Oder im überfluteten Pakistan. Doch sie sitzt auch hier, in der schönen reichen Schweiz – nur bleibt sie hier verborgener als anderswo. Jeder zehnte Mensch in der Schweiz ist arm. Meistens sind es jene, die arbeitslos oder krank sind, ungenügend ausgebildet, jene, die mehrere Kinder haben oder eine Scheidung durchmachen. Aber auch vor den Jüngsten macht die Armut nicht halt: Jedes zwanzigste Kind ist auf die Unterstützung der Sozialhilfe angewiesen. Die Zukunftsaussichten dieser Kinder sind düster. Denn: Wer in Armut aufwächst, läuft Gefahr, auch als Erwachsener arm zu sein.
Offen. Armut ist ein Tabuthema. Deshalb hat die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (SKOS) die Ausstellung «Im Fall» lanciert. Die Wanderausstellung, die heuer, im Europäischen Jahr zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung, in der Schweiz auf Tournee ist, soll der Armut ein Gesicht geben: In Videoporträts erzählen Menschen, warum sie Sozialhilfe beziehen und was diese Situation für sie bedeutet. Und in einem Computerspiel kann der Besucher mit dem Grundbedarf der Sozialhilfe von 960 Franken pro Monat einkaufen.
Vernetzt. Vom 1. bis 14. September macht «Im Fall» nun halt im Thuner Rathaus. Die Ausstellung wird von verschiedenen Oberländer Gemeinden, von Sozialdiensten und -institutionen getragen. Und von den Kirchen. Dass auch sie dabei sind, kommt nicht von ungefähr. «Thun ist im sozialen, kulturellen und religiösen Bereich ausgezeichnet vernetzt», sagt Heinz Bucher, Beauftragter der Fachstelle Suchtfragen und Projektleiter der Ausstellung in Thun. Kommt dazu, dass sich die Kirchen längst mit der Armut beschäftigen – etwa in der Kirchgemeinde Thun-Strättligen, die sich dem Vierjahresthema «arm-reich» widmet.
Engagiert. Einer, der sich stets für die Menschen auf der Schattenseite engagierte, ist alt Pfarrer Michael Dähler. Er, der in Thun einst für Obdachlose einen geheizten Eisenbahnwagen organisierte und für Drogenabhängige einen Stammtisch eröffnete, half vor fünf Jahren bei der Gründung eines Caritas-Markts mit: eines Ladens, in dem von Armut betroffene Menschen zu Tiefstpreisen einkaufen können. Dass «Im Fall» nach Thun kommt, freut Dähler. Er wird seinen Teil beisteuern: einen Vortrag «Armut – Produkt unchristlicher Normen und Verhaltensweisen». Regula Tanner
Bilder, Texte, Töne
Auszüge aus dem Rahmenprogramm zur Ausstellung «Im Fall» (1. bis 14. September) im Rathaus Thun: • 29. August, 9.30 (Johanneskirche): Gottes- dienst zum Thema «Armut halbieren – Freude verdoppeln»
• 2. September, 19.30 (Stadtratssaal): Vortrag von Pfr. Michael Dähler: «Armut – Produkt unchristlicher Normen und Verhaltensweisen»
• 3. September, 19.30 (Stadtratssaal): Walter Däpp liest aus dem bald im Stämpfli-Verlag erscheinenden Buch «Vom Traum reich zu sein». Mit Bildern von Hansueli Trachsel, dazu Strassenmusik.
www.im-fall.ch











