| Erstellt: 27.08.2010 | |
Der Abfluss meiner Badwanne sei verstopft. Das Dorli, meine Exfrau, hat mich angerufen und gefragt, ob ich das flicken könne. Es sei ja meine Wohnung, und sonst müsse sie den Sanitär bestellen. Als ich ankam, konnte ich noch nicht ins Badezimmer. «Der Charles ist drum grad am Duschen», sagte das Dorli. «Was macht denn der hier?», fragte ich. Charles, der Prediger aus Afrika, wohnte ja eigentlich bei uns, also beim Greti und mir, in der Mansarde. Der sei jetzt eben häufiger hier, sagte das Dorli, es habe ja Platz, und sie müsse auch nicht mehr so Angst haben in der Nacht, so allein in der grossen Wohnung. Manchmal könne Charles auch einen Auftrag für den Lüthi übernehmen – den Souhung, der mir seinerzeit das Dorli ausgespannt hatte. Das habe sie bei dem usegrangget.
Überzeugt. Dann kam der Charles mit dem Bademantel. Mit dem gleichen, den ich früher hier getragen hatte. Der Abfluss war voller Haare. Nach einer Viertelstunde war er geflickt. Das Dorli stellte noch ein Kafi auf. Unterdessen hatte sich Charles angezogen, ein weisses Hemmli und schwarze Stoffhosen. Ich verstand Charles schlecht, aber so viel verstand ich: Er habe den Herrn gefragt, und der Herr habe gesagt, es sei gut, in der Schweiz zu bleiben. Wie damals die Israeliten aus Ägypten sei auch er, Charles, weggegangen in ein neues Land. Und Jesus sei auch herumgewandert und habe gepredigt. So wie er jetzt für seine Gemeinde hier aus Afrika.
Flexibel. Das Dorli sagte dann noch, der Lüthi baue jetzt in meiner Wohnung eine Sauna ein. Auf seine Kosten. Das sei mir doch sicher rächt. Den lasse sie jetzt nämlich noch richtig bluten, den Lüthi. Sonst gehe sie zur Gewerbepolizei und melde, dass er Ausländer schwarz arbeiten lasse. Und wenn wieder etwas kaputtgehe in der Wohnung, würde sie es melden.
Beim Greti wars dann ruhiger. Es meinte nur, das sei schon interessant, was diese Ausländer alles in die Schweiz brächten. Aber in der Bibel habe der Auszug aus Ägypten vierzig Jahre gedauert. Da sei der Charles schneller. In Afrika nähmen sie die Bibel halt nicht so wörtlich, die seien flexibel. Und einen Vorteil habe das Ganze sowieso, sagte das Greti: Wir, also sie und ich, seien nun wieder ungestört. «Und die Mansarde ist auch wieder frei.»











