Franziska Durband ist Beraterin bei Avegnir (Bild: Fadrina Hofmann)
Franziska Durband ist Beraterin bei Avegnir (Bild: Fadrina Hofmann)
Erstellt: 27.08.2010
Wenn Grenzen auftreten
Lebenshilfe./ In Südbünden bietet der Verein «Avegnir» Begleitung für schwer kranke Menschen an.

«Avegnir» ist Rätoromanisch und bedeutet «Zukunft». In Südbünden steht Avegnir aber auch für einen Verein, der schwer erkrankte Menschen und ihre Angehörigen berät und begleitet.

Beratung und Begleitung.
Im Leitbild des Vereins «Avegnir - Freunde Krebs- und Langzeitkranker» steht, dass hier Menschen zusammenfinden, «die um die Schwere des Lebens mit einer Krankheit wissen und sich mit Betroffenen solidarisieren».
Fünf zuständige Frauen bieten im Oberengadin, im Unterengadin, im Münstertal und in den italienischsprachigen Tälern Bergell und Poschiavo unentgeltliche und unverbindliche Beratung und Begleitung an.
Laut Franziska Durband, psychoonkologische und psychologische Beraterin im Oberengadin, sind diese Frauen da, «wenn Fragen auftauchen, Schwierigkeiten auftreten oder Entscheidungen schwerfallen». Die Psychologie bildet dabei zwar die Basis, es handelt sich aber nicht um eine Therapie. Vielmehr geht es darum, in einem geschützten Raum reden zu dürfen.

Individuelle Gespräche. Die Gesprächsinhalte sind unterschiedlich und individuell. Einerseits geben die Beraterinnen Tipps bei praktischen Fragen wie finanziellen Anliegen oder der Kontaktaufnahme mit anderen Diensten, beispielsweise der Krebsliga. Andererseits geht es darum zu helfen, mit der Diagnose und der neuen Lebenssituation zurechtzukommen.
Häufige Themen sind gemäss Durband Nähe und Distanz, Rückzug und Öffnung, Abschied und Neubeginn. Ausserdem treten Fragen nach einem sinnvollen Umgang mit Arbeitskollegen, Freunden und Familie im Bezug auf die Krankheit auf. Bei einer schweren Erkrankung werden auch die Mitbetroffenen mit Unsicherheiten und Ängsten konfrontiert. Es ist dann hilfreich, eine externe und professionelle Hilfe zu beanspruchen. Emotionen können gerade bei engen Beziehungen blockieren. «In den Gesprächen wird aufgenommen, was gerade beschäftigt oder belastet», erklärt Durband.
Es gibt Menschen, die werden von Avegnir über Jahre hinweg begleitet. Doch auch einzelne Gespräche sind möglich.

Loslassen helfen. Gerade bei Hausbesuchen lernen die Beraterinnen ganze Familien kennen. Dies empfindet Franziska Durband als hilfreich in den Gesprächen. Es entsteht eine Offenheit, die wichtig werden kann, wenn sich ein Abschied abzeichnet. Auf diese Weise ist eine grössere Ruhe möglich. Spannungen zwischen Angehörigen und Erkrankten können abgebaut werden. Das Loslassen fällt beiden Seiten einfacher. Doch man muss nicht todkrank sein, um bei Avegnir Gehör zu finden. «Jeder, der aufgrund einer Krankheit in irgendeiner Weise an seine Grenzen kommt, ist willkommen», sagt Franziska Durband. Beratungen und Begleitungen werden von Angesicht zu Angesicht, per Telefon oder auch per E-Mail angeboten. Fadrina Hofmann Estrada

Wie erreicht man Avegnir?
Erreichbar sind die Beraterinnen per Telefon über 081 834 20 10 oder per E-Mail über die Adresse: f.durband@avegnir.ch. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage des Vereins unter: www.avegnir.ch