Für den Film «Ozimas Rückkehr» reiste der Bündner Regisseur Peter Kreiliger nach Nigeria (Bild: zvg)
Für den Film «Ozimas Rückkehr» reiste der Bündner Regisseur Peter Kreiliger nach Nigeria (Bild: zvg)
Erstellt: 27.08.2010
«Ich wollte diese höhere Kraft erfahren»
Begegnung/ Peter Kreiliger hat für den Film «Oziomas Rückkehr» den nigerianischen Priester Ozioma Nwachukwu begleitet.

Peter Kreiliger, sind Sie ein religiöser Mensch?
Ja. Für mich ist klar, dass es eine höhere Macht gibt, eine Energie, welche diese Welt und das Leben erschaffen hat und Einfluss auf das Leben jedes Einzelnen nimmt. Dieses höhere Wesen gehört zum Menschsein. Das Christentum erschliesst dieses Phänomen für mich persönlich am besten.

Hat Sie dann Ihr Sinn für Religiosität dazu bewogen, einen Film über einen nigerianischen Geistlichen zu machen?
Wäre ich Nigerianer, würde ich sagen: Ja, es war Gottes Wille (lacht). Filme mache ich meist über Dinge, die mich innerlich bewegen. Beim Film «Oziomas Rückkehr» wollte ich wissen: Was ist Spiritualität? Ich wollte diese höhere Kraft erfahren. Der Film war eine Gelegenheit, die entsprechenden Fragen zu stellen und Antworten darauf zu finden. Insofern entspringt der Film einer religiösen Fragestellung.

Im Beitrag werden fundamentale Fragen gestellt, zum Beispiel danach, ob man wirklich zu einer Gemeinschaft gehört oder nicht. Haben Sie Antworten gefunden?
Es gibt keine abschliessenden Antworten auf solche Fragen. Ich habe aber gelernt, mich mit diesen Fragen und dem Wesen Gottes auseinanderzusetzen. Im Moment befinde ich mich noch auf dem Weg, Antworten zu finden. Der Film hat mir geholfen, ich befinde mich aber noch immer auf dem Weg. Meine Filme mache ich oft aus einem inneren Bedürfnis, einer inneren Fragestellung heraus. Als ich Ozioma kennenlernte, fragte ich mich: Wie lebt dieser Priester aus Afrika, wie versteht er die Welt als Ganzes?

In Kürze: Wovon handelt der Film «Oziomas Rückkehr»?
Es ist meine erste unabhängige Produktion und ich hatte damit die Möglichkeit, etwas wirklich Persönliches zu machen. Der Film hat sich von Anfang an in eine Richtung entwickelt, die ich nur beschränkt steuern konnte. Am Ende hat das über zwei Jahre gefilmte Material selbst über Form und Inhalt entschieden. Das ist für mich Dokumentarfilm. Der Film zeigt meine Begegnung mit dem Priester Ozioma - ein sehr persönliches Porträt.


Ozioma hat zwanzig Jahre in Europa gelebt, um dann als Priester nach Nigeria zurückzukehren. Wie haben Sie diesen besonderen Menschen erlebt?
Ich würde ihn als typischen Afrikaner bezeichnen, obwohl das eine Anmassung ist, da ich nur drei Mal in Nigeria gewesen bin. Mir gefällt sein Pragmatismus. Er kann die Welt annehmen, wie sie ist, und trotzdem seinen Weg gehen. Er lebt eine pragmatische Spiritualität, er ist nicht moralisch oder frömmlerisch. Und er hat viel Humor (lacht).

Der rote Faden des Films ist der Priester Ozioma Nwachukwu selber. Daneben werden unheimlich viele Themen aufgegriffen. Welches ist eigentlich das Hauptthema?
Das Religiöse im weiten Sinne. Es geht darum, welcher Geist uns leitet. In allen Situationen zeigt Ozioma, dass er einen Bezug nach oben hat, der ihm Mut und Kraft gibt. Unabhängig von schwierigen Situationen in den verschiedenen Lebenswelten – sei es in Afrika oder Europa – behält er eine absolut lebensbejahende Perspektive. Das ist die afrikanische Spiritualität, wie ich sie erfahren habe: Gottes Existenz ist konkret erfahrene Freude am Leben in dieser Welt.

Afrika wird mit Armut und Krankheit verbunden. Wie haben Sie Nigeria erlebt?
Für mich war Nigeria vergleichbar mit einem Drogentrip. Wir waren die einzigen Weissen weit und breit und völlig von unseren Begleitern abhängig. Afrika ist das Fremdeste, was einem Europäer passieren kann. Man wird den ganzen Tag geschüttelt durch die Gegensätze von Wunderschönem und absolut Abstossendem.

Als Regisseur durften Sie in eine fremde Welt eintauchen, sowohl auf geistiger als auch auf kultureller und sozialer Ebene. Welches Erlebnis hat Sie besonders beeindruckt?
Da gibt es mehrere Sachen. Eindrücklich fand ich die Lehmfresser, wie ich sie nenne. Wir haben eine Lehmgrube besucht, in der Lehm abgebaut wurde. Da sagte mir ein Arbeiter: «Wir essen den Lehm.» Die Tatsache, dass die Nigerianer Lehm als Zutat zu Hefe und Mehl geben, um ein nahrhafteres Essen zu erhalten, hat mich bewegt. Am meisten gefallen hat mir, dass die Afrikaner trotz ihrer schwierigen Lebensbedingungen unheimlich erfinderisch sind und pure Lebensfreude ausstrahlen.Interview: Fadrina Hofmann Estrada


Peter Kreiliger
ist 1966 in Disentis geboren und lebt in Castrisch. Der dreifache Vater hat Sozialwissenschaften/Sozialarbeit und Journalismus/Massenkommuni- kation an der Universität Freiburg studiert. Seit 1997 ist er Redaktor der Televisiun Rumantscha (TvR). Kreiliger ist Produzent von «Cuntrasts», eines wöchentlichen Magazins der TvR.

2007 gründete er Kreiliger Film & Foto und ist seither freier Filmemacher. Für seine Filme hat Kreiliger mehrere Preise gewonnen, darunter den Jour- nalistenpreis der Aids-Hilfe Schweiz für den Film «La savur da lamur – giuventetgna e sex- ualitad» (der Duft der Liebe – Jugend und Sexualität, 2007). «Oziomas Rückkehr – Ein Priester zwischen Afrika und Europa» ist seine erste Eigenproduktion. Der 52-minütige Film wurde auch in der SF-1-Sendung «Sternstunde Religion» und auf 3sat ausgestrahlt.

Veranstaltungstipp
Am 17. September wird der Film «Oziomas Rückkehr» bei der Veranstaltung Cinema sil plaz in Ilanz gezeigt; anschlies- send: Gespräch mit Hauptdar- steller, Regisseur und dem Pfarrer von Disentis, Roland Just.

Informationen: www.cinemasilplaz.ch oder www.ozioma.klubkran.ch