| Erstellt: 27.08.2010 | |
Wie haben Sies mit der Religion, Herr Haupt?
Sie ist für mich Ausdruck der menschlichen Suche nach Verbundenheit, nach Erkenntnis, nach Heimat und Sinn, Verantwortung und Liebe. Die Mythen, die sich in den Religionen finden, diese «Masken Gottes», interessieren mich.
Sie glauben an Gott?
Ich glaube an die Kraft des Lebens mit all seinen Schönheiten und Abgründen. Dieser höheren Macht einen Namen zu geben oder sie einer einzigen Religion zuzuordnen, liegt mir allerdings nicht.
Und welche Rolle spielt dieser Glaube in Ihrem Leben?
Ich weiss, dass ich ein Teil des Ganzen bin. Ich versuche wahrzunehmen, was um mich und in mir ist. Davon werden auch meine Filme beeinflusst.
Ihr neuster Film, «How About Love», handelt von der Midlife-Crisis eines Chirurgen, der sich in eine junge Frau verliebt – warum aber muss die Geschichte in einem thailändischen Flüchtlingscamp spielen?
Es ist ja nicht einfach eine Midlife- und Dreiecksgeschichte. Es geht auch darum, dass sich einer humanitär engagiert und dabei aus der Bahn geworfen wird. Er will das Gute und verursacht viel Leid.
Und warum gerade Asien?
Da sind auch persönliche Erfahrungen eingeflossen: Meine Eltern nahmen vor dreissig Jahren zwei Flüchtlinge aus Kambodscha auf – im Rahmen einer Heks-Freiplatzaktion. Ich erinnere mich noch gut an die beiden Kambodschaner: Sie hatten Schauerliches gesehen – Vergewaltigungen, Verstümmelungen – und waren davon gezeichnet.
Heks? Sie sind also in einem kirchlichen Milieu aufgewachsen.
Ja, meine Eltern waren in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK) aktiv. Ich selbst habe viel Ambivalentes in der Kirche erlebt: einerseits eine tiefe, seelenvolle Gemeinschaft, gleichzeitig viel Einengendes – gerade in Bezug auf Liebe. Die kirchlich gepredigte Liebe fand ich unausgewogen: Aggression oder Hass durfte es nicht geben – aber wo gehen dann diese Gefühle hin?
Interview: Martin Lehmann, Christine Stark










