Erstellt: 27.08.2010
Warnung vor der «schwülen Atmosphäre der Dancings»
Jubiläum/ 1952 wetterte der «saemann» gegen den Dancingbesuch der Mädchen – und warb alternativ für Sportbetätigung. Vom Dancingbesuch der Burschen war keine Rede.

«Was verleitet die jungen Töchter zum Besuch der Dancings? Gemäss einer Umfrage fühlen sich nicht wenige, die eine Stätte der Zerstreuung aufsuchen, in ihrem Beruf unbefriedigt. Auch Mädchen, die unter schlechten Familienverhältnissen leiden, nehmen Zuflucht zu den Dancings. Auf die Frage an Mädchen, die keine Dancings aufsuchen, weshalb sie nicht auch diese Stätten besuchten, antworteten die meisten, weil sie Sport betrieben. Es muss wohl so sein, dass der Sport einen Abscheu einflösst vor dem seichten Vergnügen der Dancings. Viele Mädchen fühlen wohl ganz instinktiv, dass die schwüle Atmosphäre der Dancings einer inneren Gesundung nicht zuträglich ist. In der Zeitschrift der Eidgenössischen Turn- und Sportschule Magglingen kommt Frl. Lecoultre in der Auswertung der Umfrage zum Schluss, der Sport verderbe die Mädchen nicht und lenke sie auch nicht von der künftigen Aufgabe als Mutter ab. Die Vergnügungssucht rühre vor allem vom Unbefriedigtsein her, sei es im Beruf, sei es daheim als Mensch. Es diene jungen Mädchen am besten, wenn sie in fröhlicher Gemeinschaft zusammenkommen, diskutieren, spielen, Sport treiben und reisen. Bei solchen Einflüssen würden die negativen Einwirkungen von Bar und Dancing an den jungen Menschen von selber abgleiten.
Rückblickend darf wohl gesagt werden: je mehr Sport, desto weniger Dancing, und die endgültige Stellung der beiden Lebenskreise wird wohl für die jugendliche Tocher nicht heissen Sport und Dancing, sondern klar und bestimmt: Sport oder Dancing.» (August 1952)

GEBOREN 1885
Vor 125 Jahren wurde der «saemann» – damals als offizielles Organ der bernischen Landes- kirche – vom Pfarrverein Burgdorf-Fraubrunnen gegründet. In dieser Rubrik werfen wir einen Blick auf die bewegte Geschichte des «saemann», der seit Juni 2008 unter dem Titel «reformiert.» erscheint und in den Kan- tonen Bern, Jura und Solothurn von gut 150 reformierten Kirchgemeinden herausgegeben wird.