Gottesdienst im Rahmen des Homosexuellenfestivals «Zurich Pride»: Nächstes Jahr ohne Mitwirkung eines römisch-katholischen Priesters (Bild: Dennis Schenk)
Gottesdienst im Rahmen des Homosexuellenfestivals «Zurich Pride»: Nächstes Jahr ohne Mitwirkung eines römisch-katholischen Priesters (Bild: Dennis Schenk)
Erstellt: 30.07.2010
Harter Kurs des Bischofs
Ökumene/ Bischof Huonder verbietet eine weitere katholische Mitwirkung am Pride-Gottesdienst.

Zum siebten Mal gestaltete der römisch-katholische Priester Martin Stewen am 6. Juni den ökumenischen Gottesdienst im Rahmen des Homosexuellenfestivals «Zurich Pride»; diesmal zusammen mit der reformierten Aidspfarrerin Ursula Wyss und dem christkatholischen Kollegen Nassouh Toutoungi.
Die alljährlichen Proteste aus religiös-konservativen Kreisen gegen das Festival, das bis 2008 «Christopher Street Day» hiess, hatten Stewen nie erschüttern können und dem Erfolg der Veranstaltung keinen Abbruch getan. Als der Verein «Familienlobby» im letzten Jahr zum Gebet um schlechtes Wetter aufrief, damit der Anlass ins Wasser falle, nahmen um die fünfhundert Personen am Gottesdienst im Fraumünster teil.

Enttäuschung. Nun aber kommt die Ablehnung von ganz oben. Der Churer Bischof Vitus Huonder und Weihbischof Marian Eleganti haben es Martin Stewen untersagt, weiterhin im Gottesdienst am Pride-Festival mitzuwirken. Damit fällt die neue Bischofsleitung einmal mehr den Zürcher Katholiken in den Rücken. Beide Landeskirchen haben die Gottesdienste von Anfang an ideell und seit 2009 auch finanziell unterstützt. Der katholische Synodalratspräsident Benno Schnüriger zeigte sich daher auch «masslos enttäuscht». Martin Stewen wird sich zwar an das Verbot halten, fragt sich aber mit vielen anderen, wie das Problem gelöst werden kann.

Proteste. Kritisiert wurde der Entscheid auch von sieben Kantonsrätinnen und Kantonsräten. In einem offenen Brief sehen sie darin einen Verstoss gegen das Diskriminierungsverbot in der Zürcher Verfassung. «Im Grundsatz trifft diese Kritik zu», sagt der reformierte Kirchenratspräsident Ruedi Reich. Der Konflikt zeige einmal mehr, wie gut es sei, dass durch die öffentlich-rechtliche Anerkennung der katholischen Kirche die staatskirchenrechtliche Körperschaft gestärkt werde.

Verkündigung. «An unserer Haltung zur Veranstaltung ändert sich gar nichts», sagt Ruedi Reich. In einem Gottesdienst werde das Evangelium verkündet, von Mitmenschlichkeit und Verantwortung gesprochen. «Ob das an einem Jodlerfest oder an einem Gay-Festival geschieht, macht keinen Unterschied – ich freue mich über jeden Gottesdienst, der Menschen verbindet und ihnen hilft, ihr Leben gut zu gestalten.» So war es auch am diesjährigen Gottesdienst in der christkatholischen Augustinerkirche zu hören. «Wenn Jesus den Menschen zuruft, ihr seid Salz der Erde, Licht der Welt, Stadt auf dem Berg, ist das nicht nur Ego-Politur», war die Botschaft. Es sei vielmehr ein Auftrag, sich in der Gesellschaft zu engagieren.
Christa Amstutz