| Erstellt: 30.07.2010 | |
Als die Anabaptisten Mitte des 17. Jahrhunderts auch aus dem Emmental
vertrieben wurden, nachdem sie schon zuvor aus Zürich und der
Ostschweiz fliehen mussten, bot ihnen der Fürstbischof von Basel Asyl.
Auf den einsamen, kargen Jurahöhen fanden die verfolgten Täufer ein
Auskommen in der Landwirtschaft. Über ihr Leben gibt jetzt ein neuer
Wanderweg Auskunft.
Kulturlandschaft. Der in zwei
Tageswanderungen aufgeteilte «Chemin des Anabaptistes», der Täuferweg,
startet in Sonceboz und umfasst geschichtsträchtige Stationen. Schon die
Landschaft mit den baumbestandenen Viehweiden, Trockenmauern und Alleen
zeugt vom Wirken der Siedler. Auf dem Sonnenberg gibt es im Archiv der
Mennoniten unter anderem eine kostbare Zürcher Froschauerbibel zu
besichtigen, und in der Eishöhle «Creux de Glace», die als natürlicher
Kühlschrank genutzt wurde, kann man Felsinschriften entschlüsseln.
Kulturerbe. Einer
der Höhepunkte der Wanderung sind die Überreste der «Pont des
Anabaptistes», der Täuferbrücke über die Schlucht Combe du Bez. Hier
hielten die Familien ihre damals verbotenen Versammlungen ab. Wieder
sind viele Inschriften zu sehen: Namen, Initialen, Jahreszahlen. Vor
drei Jahren suchten die Mennoniten Unterstützung für die Restaurierung
der Brücke, unter anderem bei ViaStoria, dem schweizerischen Zentrum für
Verkehrsgeschichte. Aus dieser Zusammenarbeit entstand auch die Idee
für den Täuferweg. Der noch erhaltene Pfeiler der Brücke und die
Inschriften wurden inzwischen konserviert und durch einen Steg besser
zugänglich gemacht. Am 18. September ist Einweihung, für den 22. Mai
2011 ist ein Volksfest geplant. CHRISTA Amstutz
Geschichteerwandern
Der
«Chemin des Anabaptistes» ist einer von 23 von ViaStoria konzipierten
Kulturwegen. Beim Arrangement von Berner Jura Tourismus ist der Besuch
des Täuferarchivs inbegriffen; individuell Reisende (nur Gruppen)
müssen sich anmelden (Tel. 032 489 10 79).
www.kulturwege-schweiz.ch und jurabernois.ch, Tel. 032 942 39 42



