Die reformierte Kirche nahm mehr Geld ein, als erwartet (Bild: Christine Bärlocher)
Die reformierte Kirche nahm mehr Geld ein, als erwartet (Bild: Christine Bärlocher)
Erstellt: 30.07.2010
Kirchliche Lohnpolitik auf dem Prüfstand
Löhne/ Die Steuereinnahmen für die reformierte Landeskirche Zürich fallen in diesem Jahr höher aus als budgetiert. An den beschlossenen Lohnkürzungen für die kirchlichen Angestellten wird trotzdem festgehalten.

2009: Die Konjunkturaussichten präsentierten sich düster, und die kantonale Finanzdirektion budgetierte pessimistisch. Ende Juni 2010 folgte nun auf den Katzenjammer der Jubel: 500 Millionen Franken mehr als geplant werden heuer in der Staatskasse landen. Damit ist für viele Zürcher Kantonsräte und Gewerkschafter klar: Die den kantonalen Angestellten verordnete Nullrunde bei den Löhnen soll Makulatur werden.

Weniger Staatsbeiträge. 1997 stand schon einmal eine lineare Lohnkürzung an. Damals hatte die reformierte Kirche die unteren Lohnklassen von dem Kürzungsschritt ausgenommen – aus ethischen Erwägungen. Nun aber will die Landeskirche bei der gleichmässigen Kürzung der Saläre bleiben. «Trotz günstiger Steuerprognose haben wir bei der Budgetplanung mit einem strukturellen Problem zu kämpfen», sagt der landeskirchliche Kommunikations- beauftragte Nicolas Mori. Er erinnert an den neuen Verteilschlüssel der Staatsbeiträge für die Kirchen. Bisher erhielt die reformierte Kirche deutlich mehr Gelder vom Kanton als die katholische. Mit dem Inkrafttreten des neuen kantonalen Kirchengesetzes erhält die reformierte Landeskirche vom Staat indes jährlich nur noch 28 statt 42 Millionen Franken. Die Anpassung läuft gestaffelt: Bis 2014 werden jedes Jahr 3,5 Millionen weniger überwiesen.

Sozial abgefedert. Die Personalvertretung für die Mitarbeitenden der Gesamtkirchlichen Dienste befürwortet die lineare dreiprozentige Lohnkürzung nicht. Rita Rutishauser sagt dazu: «Wir werden uns weiterhin für eine soziale Abfederung einsetzen, da es sich dabei um ein grosses Anliegen der Mitarbeitenden handelt.»
Keine zweite Lohnkürzung. Wenig Spielraum also für die reformierte Landeskirche. Deren Personalverantwortlicher Harry Nussbaumer betont trotzdem, dass bei der jetzigen Lohnkürzung durchaus der Niedriglohnbereich besonders berücksichtigt wurde. «Die Mitarbeitenden im Kloster Kappel wurden von der linearen Kürzung ausgenommen.» Im dortigen Gastro- und Gärtnerbereich seien die meisten Angestellten im tiefen Lohnsegment innerhalb der Landeskirche zu finden. So bleiben, sagt Nussbaumer, nur noch wenige Beschäftigte im unteren Lohnbereich, deren Lohn gekürzt wird. Nussbaumer macht aber keinen Hehl aus seiner Meinung: Wenn im nächsten Jahr die kirchlichen Angestellten von dem bisher gültigen kantonalen Lohnsystem in ein neu gestaffeltes kirchliches überführt werden, soll es nicht nochmals zu Lohneinbussen kommen. Delf Bucher