Erstellt: 30.07.2010
Auf dem Campingplatz
Satire/Fredu Aegerter spricht über sich, Gott und die Welt

Eigentlich wollte mich das Greti ja in die Seniorenferien mitnehmen. Auch wenn es so töne, als ob das etwas nur für alte Leute wäre. Aber es sei doch keine Schande, mit den Senioren zu verreisen, und so jung seien wir, das Greti und ich, ja auch nicht mehr. Ausserdem gäben sie sich immer recht Mühe von der Kirchgemeinde mit dieser Seniorenwoche: Sie machten immer ein schönes Programm, das Hotel sei gut und das Essen auch. Und jedes Mal gingen sie an einen anderen Ort. Diesmal nach Vals. Dort könne man im Thermalbad baden, und zum Kloster Disentis sei es auch nicht weit. Zum Besichtigen.

Schweigen. Nur fragte mich dann meine Tochter Karin, ob ich in den Ferien nicht die Kinder nehmen könne, den Kevin und die Sara. Sie gehe drum mit dem Singh zwei Wochen in ein Schweigeseminar in den Jura. Zu einer Schamanin. Und das Dorli, also meine Exfrau, habe auch irgendöppis und könne die Kinder leider nicht hüten. Natürlich war dieses Schweigeseminar just in derselben Woche wie die Seniorenferien der Kirchgemeinde. Das Greti meinte, das sei zwar schade, aber öpper müsse sich doch um die Grosskinder kümmern. Und es wäre doch schön, wenn die Kinder in den Ferien auch verreisen könnten. «Wir gehen doch mit ihnen auf den Campingplatz, das haben Kinder doch gern», schlug das Greti vor. Das gehe schon, sie sei ja früher in der Pfadi gewesen und habe Bienli geleitet. Und so alt seien wir ja jetzt auch noch nicht.

Zelten.
In Avenches-Plage war das Wetter am Anfang schön und der See sehr ruhig. Aber trotzdem nicht ungefährlich für Kinder. Wir passten aber gut auf. Am Samstagabend war es dann allerdings recht laut. Unser Zelt stand genau unter dem Lautsprecher der Strandparty. Die Kinder schliefen erst so gegen morgen um eins. Am Sonntag gingen wir in den Zeltgottesdienst. Der Pfarrer war aus Deutschland. Aber er gab sich fest Mühe. Man konnte ihn gut verstehen. Das Greti sagte, das sei jetzt schön gewesen, so draussen. Für die Kinder gab es ein Kinderprogramm. Am Schluss haben sie dann einen Zirkus aufgeführt. Zum Thema Arche Noah. Kevin war ein Tiger und Sara eine Prinzessin, also die Tochter von Noah oder so.

Pflegen. Auch in der zweiten Woche lief alles gut – ausser dass die Sara einen Brönner verwütscht hat und von einem Wäschpi gestochen wurde und Kevin auf eine Scherbe tschaupet ist. Wir mussten deswegen auf den Notfall. Zum Glück konnte das Greti dort so gut Wäutsch. Obwohl es so schön war, gingen wir dann doch nach zehn Tagen nach Hause, also etwas früher, als geplant. Daheim meinte das Greti: «Es nähme mich wunder, wo die Seniorenferien das nächste Jahr hingehen.» Vermutlich halt nicht mehr nach Vals. Aber sicher auch an einen schönen Ort.