Der Kurator und die Modewelt der Konfirmation: Ulrich Zwahlen, Leiter des Museums Krauchthal (Bild: Pia Neuenschwander)
Der Kurator und die Modewelt der Konfirmation: Ulrich Zwahlen, Leiter des Museums Krauchthal (Bild: Pia Neuenschwander)
Erstellt: 30.07.2010
Glaube, Geld und Glamour
Konfirmation/ Ist sie Modeshow oder Übergangsritus, kirchliche Feier oder Familienfest? «Glaube, Glamour und Geschenke»: Das Museum Krauchthal entdeckt die facettenreiche Konfirmation.

Gilet, Pochette und Hut trug der Konfirmand – einen langen Rock mit Schulterpelz und Riemlischuhe die Konfirmandin. Und Tiefschwarz war angesagt. So wars in den Zwanziger- und Dreissigerjahren. Farbig und frei wurde die Konfkleidung erst ab 1960.
Anschaulich dokumentiert dies die Ausstellung «Glaube, Glamour und Geschenke» im kleinen Dorfmuseum Krauchthal mit Konfirmationsgruppenfotos und Originalkleidern aus der Zeit. Angeregt hat die Ausstellung die Geschichtsstudentin Aline Minder, die 2009 ländliche Modeentwicklungen anhand der Rüeggisberger Konfirmationsfotos untersucht hatte.


Kleidercode. Auf den ersten Blick liegen Welten zwischen dem Konfirmationskleidercode der Grosseltern und dem Outfit der Grosskinder: den Miniröcken und toupierten Haaren um 1970, den Turnschuhen und Igelfrisuren um 2000. Und doch: «Schon immer ging man herausgeputzt an die Konf», sagt Ulrich Zwahlen, Leiter des Museums Krauchthal. Nur war bis in die Fünfzigerjahre Uniformität ein Muss. «Aber mit weissem Kragen, weissen Manschetten oder Rüschen versuchten dieser schon die Grosseltern ein Schnippchen zu schlagen.»

Erinnerungswert. Publikumsmagnet der Ausstellung sind die gesammelten Krauchthaler Konfirmationsfotos ab 1927 aus dem Fundus des Museums. «Das Konfirmationsfoto hat einen hohen emotionalen Erinnerungswert», sagt Ulrich Zwahlen: «Es hält den letzten Moment fest, in dem alle noch beisammen sind, bevor man in alle Winde verstreut wird.»
Kulturgut. Konffotos und Konf- kleider, Konfirmationssprüche und natürlich zeittypische Konfgeschenke – damals Necessaire, Papeterie und Uhr, heute Bargeld, Digitalkamera und Städtereisegutscheine: Im Krauchthaler Gemeindemuseum ist ein ganzes Alltagskulturgut zu entdecken, mit einigem Nostalgiewert. «Wir wollen zeigen, was die Konfirmation war – und was sie nie war, nämlich eine reine Kirchen- und Glaubensveranstaltung», sagt Museumsleiter Ulrich Zwahlen. Die Feier zum Abschluss der Unterweisung habe immer einen familiären und einen gesellschaftlichen Aspekt gehabt, habe stets den Übergang ins Erwachsenenleben markiert – und sei stets ein Initiationsritus gewesen.

Katechese. Und der kirchliche Aspekt: die Konfirmation als öffentlich erteilte Zulassung zum Abendmahl? «Das kam wohl immer an dritter Stelle», sagt Ulrich Zwahlen. Allerdings: In Zeiten, in denen die Kirche im Bildungswesen den Ton angab und am Schulexamen bis Ende 19. Jahrhundert das Aufsagen von Psalmen üblich war, «ging die Konfirmation in der allgemeinen Bildungsdominanz der Kirche auf». Und das Auswendiglernen von Psalmen, Liedstrophen, Glaubensbekenntnissen und des Katechismus prägte den kirchlichen Unterricht bis weit ins 20. Jahrhundert hinein. «Noch heute erinnern sich alte Leute an ihren Konfirmationsspruch und sagen gerührt, er habe sie ins damals gängige Welschlandjahr begleitet.»

Historie. Aber so alt, wie sie scheint, ist die Konfirmation gar nicht. Zwar beginnt die Geschichte der Unterweisung bereits in neutestamentlicher Zeit, und der 1551 verstorbene Strassburger Reformator Martin Bucer stellte eine erste Konfirmationsordnung auf. Doch im Kanton Bern wurde die Konfirmation erst mit Beginn des 19. Jahrhunderts allgemeiner Brauch.

Disziplin. Notabene: Nicht nur «Glaube, Glamour und Geschenke» gehören zur Geschichte der Unterweisung – sondern von Anbeginn an auch die Klage über mangelnde Disziplin. Einschlägige Krauchthaler Chorgerichtsakten aus dem 18. Jahrhundert tönen so: «H. W. aus Hub musste antreten, weil er das Vaterunser verkehrt und mit leichtfertigen Zusätzen von Hühnern und Gänsen aufgesagt hatte. Er hätte den Tod durch den Henker verdient, erhielt aber bloss ein scharfe Zensur und zweimal 24 Stunden Gefangenschaft.» Samuel Geiser

Die Ausstellung ist am 1. und 20. August, 5. und 17. September, 3. und 15. Oktober sowie am 7. November geöffnet – sonntags von 10 bis 12, freitags von 19 bis 21 Uhr. Führungen auf Anfrage: Tel. 034 411 10 40

Krauchthal, museal
Das Museum Krauchthal im alten Schulhaus präsentiert dörfliches Kulturgut aus Haushalt und Handwerk – rund um den Sandsteinabbau etwa, der hier im 19. Jahrhundert blühte. Zur Sammlung gehören auch Fotografien, die ein Thorberg-Gefangener um 1925 machte. 2011 feiert das Dorfmuseum Krauchthal sein 30-Jahr-Jubiläum und zügelt ins neue Ortszentrum. sel