Erstellt: 30.07.2010
War Karl Barth ein verkappter Kommunist?
Jubiläum/ 1948 wurde Karl Barth als Kommunist beschimpft – weil er die Wiederbewaffnung Deutschlands kritisierte. Der «saemann» verteidigte den Schweizer Theologen.

«Aus einer beliebigen Zeitung greife ich einen Satz heraus, der für viele ähnliche Sätze, die neuerdings in den Zeitungen zu lesen sind, hier stehen mag: ‹Wir haben es vor kurzer Zeit erlebt, dass Prof. Dr. Karl Barth in Basel sich ganz unmissverständlich zum russischen Kommunismus und Bolschewismus bekannt hat.› In einer andern Zeitung wurde sogar erzählt, dass ein positiver Berner Pfarrer beiläufig die Bemerkung habe fallen lassen, Karl Barth sei Mitglied der Partei der Arbeit geworden. Man fragt sich, warum der Kolporteur dieses unsinnigen Gerüchts nicht geradewegs bei Prof. Barth angefragt hat, wie es sich damit verhielte. Fürchtete er etwa die Dementierung des ihm willkommenen Gerüchts? Wer das Gerede vom eindeutigen Bekenntnis Barths zum Kommunismus ungeprüft weiter gibt, dürfte sich durch Barths schriftliche Äusserungen eines Besseren belehren lassen. Etwa in seiner Antwort an Emil Brunner, wo er vom ‹östlichen Monstrum› spricht: ‹Wer eine politische Absage an dessen System und Methoden auch von mir haben will, kann sie sofort haben.› Es sollte klar sein, dass sich so weder ein Mitglied der Partei der Arbeit, noch ein eindeutiger Bekenner zum Kommunismus äussert. Warum können die Leute, welche Karl Barth unbedingt zum Kommunisten machen wollen, nicht besser lesen? Etwa wegen der Angst vor dem Gespenst des Kommunismus, welche ihnen die Besinnung raubt? Oder etwa aus Freude darüber, dass sie Karl Barth nicht auf dem ihnen nicht ganz geheuren theologischen Feld begegnen müssen, sondern ihn auf dem ihnen geläufigeren politischen Feld bekämpfen können?» (Oktober 1948)

GEBOREN 1885

Vor 125 Jahren wurde der «saemann» – damals als offizielles Organ der bernischen Landeskirche – vom Pfarr- verein Burgdorf-Fraubrunnen gegründet. In dieser Rubrik werfen wir einen Blick auf die bewegte Geschichte des «saemann», der seit Juni 2008 unter dem Titel «reformiert.» erscheint und in den Kan- tonen Bern, Jura und Solothurn von gut 150 reformierten Kirch- gemeinden herausge- geben wird.