| Erstellt: 25.06.2010 | |
Wie viele Millionen Liter Rohöl seit der Explosion der Ölplattform «Deepwater Horizon» Ende April in den Golf von Mexiko geflossen sind, weiss niemand. Aber wenigstens wissen wir, wer schuld ist daran: British Petroleum (BP), namentlich dessen Boss Tony Hayward, der das Ausmass der Umweltkatastrophe wochenlang herunterspielte. Als dann die Tragweite der Tragödie ans Licht kam – und allmählich auch, dass der Ölgigant schon in der Vergangenheit systematisch Sicherheitsbestimmungen verletzt hatte –, ging eine Welle der Empörung um den Globus: Skandal!, zeterte es von Rednerpulten und Stammtischen – was müssen die auch 1600 Meter unter dem Meeresspiegel ums Verrecken nach Öl bohren?
Das Angebot. Ganz einfach: Sie bohren, weil sie müssen, und sie müssen, weil wir wollen. Weil wir weiterhin mit dem Auto zur Arbeit fahren, mit dem Flugzeug in die Ferien fliegen und die Wohnung gemütlich warm beheizt haben wollen. Die Nachfrage nach Öl ist derart ungebrochen, dass es rentiert, unter fragwürdigsten Bedingungen neue Energiequellen zu erschliessen. BP mag das Schmuddelkind der Branche sein – aber auch anderswo wird auf Teufel komm raus nach Öl gebohrt, nach Uran gesucht, nach Kohle gegraben.
Die Nachfrage. Die unbequeme Wahrheit heisst: Auch wir, wir Energiejunkies, sind schuld am Umweltdesaster im Golf von Mexiko, an den verdreckten Küsten, verklebten Vögeln, zerstörten Existenzen. Wir leben immer noch so, als würden die Rohstoffe bis zum Jüngsten Tag reichen, als gäbe es keinen Klimawandel, als hätten wir eine zweite Erde in der Vorratskammer – das ist der wahre Skandal. Martin Lehmann, «reformiert.»-Redaktor in Bern










