| Erstellt: 25.06.2010 | |
Freitagnachmittag in Tomils. Auf dem Parkplatz gegenüber des Dorfladens steht einsam ein Wohnmobil. Es ist das erste Jugendmobil Graubündens. Dusko Mitrovic, Jugendarbeiter des Bezirks Ausserdomleschg und Träger der mobilen Jugendarbeit, sitzt in seinem Büro, der Fahrerkabine. «Gestern war Feiertag, darum läuft heute nicht viel», meint er, viele seien wohl übers Wochenende weggefahren.
Signal. Seit dem letzten Herbst ist Dusko Mitrovic im Auftrag des Vereins Jugendarbeit Ausserdomleschg mit einem Wohnmobil in den Gemeinden Rothenbrunnen, Tomils, Paspels, Rodels, Pratval und Almens unterwegs. Zusammen mit dem reformierten Pfarrer von Almens, Thomas Ruf, organisierte er die Anschaffung des Wohnmobils im vergangenen Herbst. Ruf war es auch, der vor sechs Jahren die rollende Kirche initiiert hat: Gottesdienst aus dem Wohnmobil auf Campingplätzen. Das Jugendmobil, finanziert durch die Avina-Stiftung, bietet Platz für etwa sechs Jugendliche. «Das Ziel der mobilen Jugendarbeit ist es, Jugendarbeit einen Ort zu geben, der neutral ist und diese konkret signalisiert», beschreibt Mitrovic das Projekt.
Gesprächsoase. Das umgebaute Wohnmobil weist, gemäss Mitrovic, mehrere Vorteile auf: Büroarbeit kann der Jugendarbeiter im Fahrzeug erledigen und er gewinnt damit Präsenzzeit. Durch die Mobilität erreicht Mitrovic auch Jugendliche in kleinen und abgelegenen Orten. Das Jugendmobil soll den Jugendlichen als Gesprächsoase dienen. Es gehe darum sie zu beraten, ihnen Ideen zur konstruktiven Freizeitgestaltung mitzugeben. Aber die mobile Jugendarbeit in dieser Form unterstützt auch Gemeinden, in denen offene Jugendarbeit bereits existiert, etwa in Form von Jugendtreffs. Das Jugendmobil ist dort auch nach den Öffnungszeiten präsent. Zum Beispiel in Tomils gegenüber des Dorfladens. «Es gab hier wiederholt Beschwerden wegen Littering», erzählt Mitrovic. In Fällen wie Littering (achtloses Wegwerfen und Liegenlassen von Abfällen) schaltet sich der Jugendarbeiter ein und sucht das Gespräch mit den Jugendlichen. Aber auch mit den Erwachsenen. «Jugendarbeit ist ein langer Vertrauensprozess zwischen Jugendlichen, Eltern und Gemeinden; und ist dann erfolgreich, wenn Jugendliche gelernt haben zu entscheiden, was für sie am besten ist.»
Übersetzer. David Pfulg, Fachstellenleiter von jugend.gr (siehe Kasten), definiert eine der Aufgaben von Jugendarbeit so: «Der Jugendarbeiter ist der Übersetzer oder Türöffner zwischen Jugendlichen und Erwachsenen.» Professionelle Jugendarbeit gibt es gemäss Pfulg in Graubünden seit rund fünfzehn Jahren; im Gegensatz zum Unterland, wo diese seit Jahrzehnten etabliert ist. Als Wegbereiter fungierten vielerorts die Kirchen, die bis heute in den meisten Jugendarbeitsinstitutionen und -vereinen vertreten sind oder sie finanziell unterstützen. In Graubünden haben erst rund die Hälfte der Gemeinden eine spezifische Jugendarbeit. Ein flächendeckendes Angebot ist aufgrund der Geografie und Demografie Graubündens schwierig.
Aufstockung. Mit dem Jugendmobil schlug der Verein Jugendarbeit Ausserdomleschg einen neuen Weg ein. Mit Erfolg. Eine Evaluation der Oberstufenschüler im Ausserdomleschg ergab, dass rund ein Drittel die Jugendarbeit nutzen. Neu wird deshalb das Jugendmobil im Juni eine Tour durch das Innerdomleschg starten. Der Erfolg des Einsatzes des Jugendmobils bewirkte die Aufstockung der bestehenden Jugendarbeiterstelle von dreissig auf sechzig Prozent. Rita Gianelli
Es gibt noch viel zu tun
Insgesamt 66 Einzelorganisationsmitglieder und Einzelmitglieder zählen zum Dachverband jugend.gr. «Seit fünf Jahren kämpfen wir für das Thema», sagt der Fachstellenleiter von jugend.gr, David Pfulg. Gemeint ist die Förderung der Jugendarbeit in den Gemeinden. Die grösser werdende Zahl von Anfragen betreffend Aufbau von Freizeitangeboten für Jugendliche rechtfertigt zwar die Arbeit von jugend.gr. Doch gebe es noch viel zu tun. Zum Beispiel Lobbying. Mit verschiedenen Aktionen will jugend.gr im Jubiläumsjahr auf sich aufmerksam machen. So auch mit dem Versand (Herbst) einer umfassenden Infobroschüre zur Offenen Jugendarbeit in Graubünden an Politiker und Fachpersonen. Zudem fordert jugend.gr von der Regierung konkrete Vorschläge zur, in der Verfassung verankerten, Unterstützung von Jugendarbeit. rig
Kathrin Frey, 33
Nach
dem Psychologiestudium und einer Ausbildung beim Film stieg Kathrin
Frey in die Jugendarbeit ein, wo sie unter anderem das Projekt
Raumbörse für Jugendliche im Jugendkulturhaus Dynamo in Zürich leitete.
Sie übernimmt Dusko Mitrovics Nachfolge.
Dusko Mitrovic, 28
Aufgewachsen in Scharans, war während seines Pädagogikstudiums in Zürich - wo es ihn nun wieder hinzieht - bereits in der Jugendarbeit tätig (Forellenhaus Zürich, Gemeinschaftszentrum Loogarten)









