| Erstellt: 25.06.2010 | |
Vanessa Hitz kommt aus einem Landesteil, wo man sich «Hopp!» zuruft: nicht nur, um sich gegenseitig anzufeuern, sondern auch zur Begrüssung. «Es stimmt», lacht die St. Galler Rheintalerin, «bei uns spricht man eine andere Sprache.» Ihr Dialekt aber hat sich inzwischen etwas abgeschliffen: Sie ist schon seit mehreren Jahren Wochenaufenthalterin in der Kantonshauptstadt und hängt ihrem Fachhochschulabschluss gerade einen Master der Hochschule St.Gallen an. HSG-Standesdünkel sind ihr aber fremd: Den Businessanzug trägt sie, weil sie nebenbei in einer Bank arbeitet.
Goldene Idee. In Kirchenkreisen ist die 26-Jährige mit einer ungewöhnlichen Aktion in der St. Galler Synode aufgefallen. Sie will das Kirchenparlament mit der Initiative «30 unter 30» markant verjüngen. Die Studentin für Marketing, Kommunikation und Dienstleistungsmanagement hat zusammen mit fünf Jungsynodalen eine Idee lanciert und ist damit im letzten halben Jahr durch Pfarrkapitel und Vorsynoden gezogen. Ihr Ziel: Kirchgemeinden sollen ermuntert werden, junge Leute für Behördenarbeit zu gewinnen. «Das Goldene vom Ei finden», heisst der Slogan, und die Kirchgemeinde mit den meisten jungen Erwachsenen in ihrer Behörde kann einen symbolischen goldenen Güggel gewinnen.
Eigene Erfahrung. Die Gemeinden erhalten eine Checkliste, damit bei der Suche nach jungen Leuten nichts vergessen geht. Da steht etwa: «Nichts ersetzt persönliche Kontakte – sie sind das A und O. Signalisieren Sie, dass Sie jemanden wirklich wollen.» Diese Methode hat auch bei Vanessa Hitz selbst funktioniert: Als der Kirchenratsschreiber sie vor fünf Jahren für das Amt einer Synodalen der Kirchgemeinde Au, Berneck und Heerbrugg anfragte, sagte sie Ja. «Hätte mich niemand persönlich angefragt, wäre ich kaum dabei.» Dass die Rheintalerin reformiert getauft ist, verdankt sie übrigens ihrem Vater, der sich in der Mischehe in Sachen Konfession durchsetzte. Ihre liberale religiöse Sozialisierung hat Vanessa Hitz in Glaubensfragen tolerant werden lassen: «Es geht um die Vielfalt – und nicht darum, dass alle ähnlich werden.» Dabei entstehe ein Mehrwert: Eins und eins gebe eben nicht zwei, sondern drei. Die Zukunft der Kirche sieht sie nicht düster. Jeder frage sich irgendwann, «woher er kommt und wohin er geht». Dann sei die Kirche mit ihrem Deutungsangebot gefragt.
Erste Erfolge. Die jugendliche Auffrischung des Kirchenparlaments ist noch nicht Tatsache: Derzeit sind erst 15 der 180 Synodalen jünger als dreissig Jahre. Aber eben waren Neuwahlen, und Vanessa Hitz ist gespannt, wie viele neu gewählte Junge Ende Juni dazustossen. Die jungen Erwachsenen bilden heute eine Art Jugend-Fraktion. Man esse miteinander, sei Teil des kantonalkirchlichen Netzwerks Junge Erwachsene, unterhalte eine Facebook-Gruppe und spanne in kirchenpolitischen Fragen zusammen. Dass das Netzwerk auch eine Arbeitsstelle hat, ist – wen wunderts! – ein Erfolg der U30-Synodalen. Sie lancierten in der Synode den Vorstoss. Und hatten prompt Erfolg. Daniel KlingenbergDie 26-jährige St. Gallerin studiert an der dorti- gen Hochschule Marketing, Kommunikation und Dienstleistungsmanagement und hat im reformierten Kirchenparlament ihres Kantons eine «goldene Idee» lanciert: Sie will dreissig Menschen unter dreissig Jahren in die Synode bekommen – weil sie überzeugt ist, dass die Kirche auch jungen Menschen etwas zu bieten hat. Daniel Klingenberg
www.30unter30.ch
www.junge-erwachsene.ch










