| Erstellt: 26.05.2010 | |
Frau Zehnder, Sie sind Präsidentin des neuen Ökumenischen Religionslehrpersonen-Vereins Graubünden. Warum diese Gründung?
Bei den Katecheten und Katechetinnen hatte sich ursprünglich eine falsche Annahme verbreitet, dass die Landeskirche sich für sie einsetzen würde. Lange Zeit hatte man keine klare Information, wie unsere Zukunft aussehen wird. Die Wahrnehmung heute ist anders. Wir fühlen uns von der Landeskirche nicht wahrgenommen, sie lässt uns geradezu im Stich. Uns fehlt eine Organisation, die sich um unsere Belange einsetzt. So eine Art Gewerkschaft der Religionsunterrichtenden.Aber letztendlich geht es um eine existenzielle Frage des ökumenisch qualifizierten Unterrichts.
Was meinen Sie mit im Stich lassen?
Der Religionsunterricht soll auch in Zukunft an der Schule verbleiben können. Christliche Werte sind dabei sein zentrales Anliegen, schliesslich leben wir in einer christlichen Kultur. Diese Werte sollen ihren Ausdruck finden in unserer Lebensweise. «Ich bin katholisch» oder «ich bin reformiert» soll kein Thema sein, sondern «wir glauben an den einen Gott».
Ist dieses Anliegen so dringlich?
Ja, es ist sehr dringlich, weil der Lehrplan 21 am Entstehen ist und eine passive Haltung der Unterrichtspersonen nicht die richtige Haltung sein kann. Wir möchten da mitreden können.
Stehen da nicht auch Ängste der Unterrichtspersonen im Hintergrund?
Ja. Die Angst ist, dass die Kirche aus der Schule herausgedrängt wird und damit die Vermittlung der christlichen Werte deutlich geschwächt wird. Und es sind die Ängste, die ausgelöst werden durch bevorstehende, einschneidende Veränderungen bei jedem Einzelnen von uns.
Was erwarten Sie von der Landeskirche?
Ich erwarte, dass sie sich für die Unterrichtslehrpersonen einsetzt, dass sie uns regelmässig informiert über den aktuellen Stand der Entwicklungen und wir nicht nur als Bodenpersonal wahrgenommen werden, das einfach die Arbeit zu erledigen hat. In den verschiedenen Gremien um das Thema zukünftiger Religionsunterricht müssten auch die Unterrichtenden als Interessenvertreter dabei sein können.
Möchten Sie politisch aktiv werden?
Nein. Wir möchten als Verein nur ein Sprachrohr für die Katecheten und Ketechetinnen sein. Die Unterrichtenden sollen sich um den Unterricht kümmern und nicht politisieren.
Im Vorstand Ihres ökumenischen Vereins ist aber nur die katholische Konfession vertreten?
Das stimmt. Wir suchen bereits jetzt schon ein weiteres Vorstandsmitglied, welches auch die reformierte Seite vertreten wird. Es geht ja um die Religionsunterrichtenden beider Konfessionen. Es ist wichtig, dass man in diesen Fragen konfessionell zusammenarbeitet. Fragen von Markus Dettwiler
Ökumenischer Verein für Lehrpersonen
Der Verein will die Ausbildung der Lehrpersonen der künftigen Fächer Religionskunde und Ethik und Religion gesetzlich verankern. Er setzt sich für Weiterbildung ein, die zur Erteilung des neuen Fachs Religionskunde und Ethik befähigt. Und er fordert, dass sich die Landeskirchen für die Anliegen der Religionslehrpersonen einsetzen. Dem Verein gehören siebzig Mitglieder an, der Vorstand besteht zurzeit aus vier Personen.









