| Erstellt: 25.02.2010 14:25:49 | |
Der SEK solle koordinieren und repräsentieren, aber auch vermehrt theologische Plattforum darstellen, sagte Synodalratspräsident Andreas Zeller in Bern und bekräftigte, der Synodalrat der Kirchen Bern-Jura-Solothurn habe «einstimmig und aus Überzeugung» beschlossen, sein Mitglied Gottfried Locher als Kandidaten für das SEK-Präsidium vorzuschlagen. Es gehe nicht um einen Berner Machtanspruch, wie dies in der «NZZ am Sonntag» dargestellt worden sei, wurde am Mediengespräch gesagt. Bern-Jura-Solothurn stelle dem Schweizer Protestantismus eine Person zur Verfügung, die mit Sicherheit nicht Berner Partikularinteressen vertreten werde. Der Romand im Berner Synodalrat, Lucien Boder, selbst SEK-Ratsmitglied und auch als Kandidat für das Präsidium im Gespräch, sowie Pia Grossholz-Fahrni, Vizepräsidentin des Synodalrats, schilderten Locher als kompetenten und teamfähigen Kandidaten, der Führungsqualitäten besitze. Locher bringe «in der weltweiten Ökumene wichtige und geschätzte theologische Überlegungen mit ein», sagte Pia Grossholz; es sei für ihn selbstverständlich, sich in internationalen Gremien um Fragen von «Faith and Order» oder von «Life and Work» einzubringen.
Die Berner sind die ersten, die offiziell ihren Anspruch auf das SEK-Ratspräsidium anmelden. Der Kanton Bern, der als einziger in der Schweiz noch eine reformierte Mehrheit in der Bevölkerung ausweist, hatte bisher lediglich im Gründungsjahr des SEK, 1920, den Vorsitz dieses höchsten reformierten Amtes Inne. Der zurücktretende SEK-Präsident, Pfarrer Thomas Wipf, ist Zürcher. Der topgesetzte Kandidat aus der Romandie, der Waadtländer Pfarrer Antoine Raymond, ist kürzlich als Synodalrat nicht wiedergewählt worden, was ihn praktisch «unwählbar» gemacht hat. Dies habe bewirkt, dass die Berner überhaupt eine Kandidatur ins Auge gefasst hätten, betonte Synodalratspräsident Andreas Zeller. Die Wahl zum «höchsten Reformierten» findet am 13. Juni in Herisau statt. rna/rj
Wer ist Gottfried Locher?
Der Kandidat der reformierten Berner Kirche, Gottfried Locher, ist seit zwei Jahren Mitglied des Synodalrats (Kirchenleitung). Er wurde 1966 als Sohn eines Theologieprofessors in Bern geboren und lebt heute mit seiner Familie in Muri b. Bern. Er ist verheiratet mit einer Lehrerin/Heilpädagogin und hat drei Kinder.
Nach dem Gymnasium (Typ B, am Gymnasium Lerbermatt, Köniz) und Sprachstudien in Montréal studierte er an der Universität Bern Theologie. Nach seiner Ordination schrieb er eine Doktorarbeit über das Kirchenverständnis der Reformatoren und promovierte in systematischer Theologie. Anschliessend war er sechs Jahre an der Schweizerkirche in London als Gemeindepfarrer tätig. Dort erwarb er sich 2001 auch den Titel eines «Master of Business Administration».
Locher machte sich bisher vor allem in der Ökumene einen Namen. Er war erst Ökumenebeauftragter des SEK, leitete dann beim Kirchenbund die Abteilung Aussenbeziehungen und ist Mitglied des Zentralausschusses im Ökumenischen Rat der Kirchen. 2002 wurde er zum Europa-Präsidenten des Reformierten Weltbundes gewählt, 2004 zu dessen Vizepräsidenten. Im Juni 2010 soll er Vizepräsident der neu zu gründenden Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen werden, einem Zusammenschluss des Reformierten Weltbunds und des reformierten ökumenischen Rats. Locher sagte an der Medienorientierung, eine allfällige Wahl ins SEK-Präsidium würde «die Aufgabe all dieser Ämter» bedeuten.











