| Erstellt: 24.02.2010 | |
Im Kellerraum in Grenchen, in dem sich freitags die Albanisch-Islamische Glaubensgemeinschaft zum Gebet versammelt, «gibts weder Fenster noch genügend Luft» – sagt deren Sprecher, Basri Veseli. Und während des Gottesdiensts dröhne Musik aus dem Partyraum im oberen Stock: «Das ist nicht haltbar.» Darum haben die Muslime am Stadtrand ein Grundstück in der Gewerbezone erworben – notabene von einem SVP-Politiker, und notabene auf nicht ganz durchsichtige Weise via einen Mittelsmann. Dort planen sie den Bau einer zweistöckigen Moschee, mit Kuppeln im orientalischen Stil – direkt an der Bahnlinie, in Nachbarschaft zu Aldi, Ottos Warenposten, Lagerhallen, Fitnesscenter und Werkstätten. Etliche Muslime arbeiteten in den Supermärkten und Fabriken nebenan, sagt Basri Veseli: «Wir dachten, hier stören wir am wenigsten.»
Stören. Stören am Moscheeprojekt tut sich aber die SVP Grenchen, obschon deren Präsident, Richard Aschberger, verstehen kann, «dass der jetzige Gebetsraum nicht ideal ist». Doch Aschberger hat, erstens, Kritik am Standort der geplanten Moschee («ein Sakralbau gehört in die Kernzone, nicht an den Stadtrand»), zweitens an deren Grösse («ursprünglich hiess es, es gebe ein Vereinslokal, jetzt kommt eine grosse Moschee»), drittens an der «nicht dezenten Architektur mit blauen Kuppeln, die nicht ins Ortsbild passt» – und viertens an der «mangelhaften Kommunikation» der Muslime: «Warum orientierten sie die Bevölkerung nicht via Pressekonferenz – oder an einer öffentlichen Veranstaltung?»
Ja, warum nicht? Basri Veseli, Sprecher der Albanisch-Islamischen Glaubensgemeinschaft: «Wir hatten einen Informationsabend geplant, schreckten dann aber zurück, als bei uns anonyme Drohungen eingingen – wir hatten Angst vor Provokationen.»
Kritik kommt aber nicht nur von SVP-Seite. Auch Elisabeth Egli, Präsidentin des integrationspolitischen Vereins «Granges Melanges», bedauert, dass die Muslime den Dialog mit den Religionsgemeinschaften nicht aktiv gesucht hätten. In Grenchen, wo siebzig Prozent Ja sagten zum Minarettverbot, sei die Stimmung kritisch und Behutsamkeit darum besonders angezeigt. Aber Egli zeigt auch Verständnis für das Vorgehen der Muslime: «Wahrscheinlich sagten sie sich: Wir müssen für uns selber schauen, es schaut eh niemand für uns.»
denken. Doch darf man in der Gewerbezone überhaupt eine Moschee bauen? Fünf Einsprecher, vier davon Anstösser, bezweifeln dies: Sie befürchten Mehrverkehr und einen Wertverlust ihrer Liegenschaften. Die SVP wollte es wissen, reichte im Gemeinderat ein Postulat ein – und blitzte ab. Eine Moschee in der Gewerbezone sei rechtens, sagt Stadtbaumeister Claude Barbey. Das Bundesgericht habe in ähnlichen Fällen genauso entschieden. Allerdings sähe Barbey den Sakralbau «aus städtebaulicher Sicht» lieber im Stadtkern: «Die Muslime sind die drittgrösste Religionsgemeinschaft – sie hätten, wie die Landeskirchen, einen würdigeren, übersichtlichen Standort in Zentrumsnähe verdient.» Der Stadtbaumeister versteht dies als «Denkanstoss für Planer und Politiker» – und hofft, dass Grenchen hier eine gesellschaftliche «Vorreiterrolle» spielt.
Verhandeln. Aber Barbey weiss auch, dass dies derzeit Utopie ist. Zuerst sind nun schlicht Einspracheverhandlungen für das Projekt in der Gewerbezone angesagt. Kommt es dabei nicht zur gütlichen Einigung, kann sich der Baubeginn von Grenchens blauer Moschee noch Jahre hinziehen – allenfalls bis zu einem Bundesgerichtsurteil. Samuel Geiser











