Erstellt: 24.02.2010
Moscheebau: Auch die Kirchen in der Pflicht
Kommentar zur umstrittenen geplanten Moschee in Grenchen

Transparenz. In der Schweiz eine Moschee zu bauen, war nie ein Leichtes. Nach dem Ja zum Minarettverbot erst recht nicht. Sakralbauten zugewanderter Religionen haben hierzulande dann gute Chancen, wenn die Bauherren über ihr Vorhaben Schritt für Schritt transparent informieren. Und wenn dabei Lokalgrössen als Fürsprecher unterstützend zur Seite stehen. Das zeigt die bisherige Baugeschichte exotischer Gotteshäuser – vom Mormonentempel in Zollikofen bis zum buddhistischen Wat Srinagarindravararam-Kloster in Gretzenbach.

Tapferkeit. Es stimmt, die Albanisch-Islamische Glaubensgemeinschaft Grenchens hat dieses ungeschriebene Gesetz helvetischer Politik zu wenig beachtet – bis jetzt. Doch der Fall Grenchen zeigt auch: Potenzielle lokale Fürsprecher, darunter auch die Kirchen, halten sich nobel zurück – bis jetzt. Zwar spricht niemand den Muslimen das Recht auf würdige Gotteshäuser ab. Aber dafür tapfer vor islamkritischen Wählern und Kirchenmitgliedern einzustehen, wagt dann doch niemand so recht – bis jetzt.

Tatbeweis. Ironie der Grenchner Moscheengeschichte: Die einzige Partei, die bis dato den Dialog mit den Muslimen vor Ort gesucht hat, ist die SVP. Über die Redlichkeit ihrer Motive mag man allenfalls zweifeln: Der Tatbeweis, dass die Partei trotz ihres Widerstands gegen Minarette den Bau von Moscheen nicht nur rhetorisch befürwortet, steht aus. Doch das nimmt die anderen Parteien und insbesondere die Landeskirchen nicht aus der Pflicht, für die Rechte der drittgrössten Glaubensgemeinschaft der Schweiz eine Lanze zu brechen. Samuel Geiser