Erstellt: 24.02.2010
Wo einst in der Stadt Aarau der Henker hauste
Blickwechsel/ Mit einer Aktionswoche will das Hilfswerk Heks für sozial benachteiligte Menschen sensibilisieren. Unter anderem mit Stadtrundgängen.

Damit Integration gelingt, müssen Menschen in der Lage sein, die Welt aus der Sicht von anderen zu betrachten. Dies ist die Grundidee der Aktionswoche «Blickwechsel», die das Hilfswerk Heks vom 22. bis 27. März durchführt. Verschiedene Aktionen sollen die Situation von sozial benachteiligten Menschen in den Fokus rücken.

Prominenter Besuch. Dazu finden Begegnungen statt zwischen prominenten Persönlichkeiten und Menschen, die vom Heks betreut werden und keine öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Im Aargau besucht die Aargauer FDP-Ständerätin Christine Egerszegi die albanische Familie Hoxha aus dem Kosovo. Danach darf diese mit der Ständerätin zum Gegenbesuch ins Bundeshaus. Weiter finden im Rahmen der Heks-Woche in mehreren Städten Stadtrundgänge statt. In Aarau erzählt die «Stadtrundgängerin» Susanne Dul-Lüthi Geschichten von Randständigen und wie die Gesellschaft früher mit ihnen umging.

Intoleranz.
Randständige Menschen seien früher vor allem die Armen gewesen, erklärt Susanne Dul-Lüthi. In Aarau wohnten sie seit dem Mittelalter im «minderwertigen» Haldenquartier. Aber auch gering angesehene Berufsstände wie beispielsweise Henker durften nur in bestimmten Quartieren leben. Ob ein Mensch früher zum Randständigen wurde, entschied sich oftmals an der Bildung. Hier spielte die Kirche eine wichtige Rolle. Sie betrieb eine Lateinschule und ermöglichte damit auch Nichtgeistlichen Bildung – allerdings nur Männern. Susanne Dul-Lüthi macht bei ihren Rundgängen aber auch darauf aufmerksam, wie die reformierte Kirche bis weit ins 20. Jahrhundert Andersdenkende ausgrenzte, nämlich Katholiken. Im Spittelgarten zeigt Dul-Lüthi das ehemalige Portal der Stadtkirche, das der Künstler Ernst Spoerri während des Zweiten Weltkrieges schuf. Dass Spoerri Katholik war, löste Proteste aus und führte dazu, dass das Portal 1968 bei der Renovation der Stadtkirche entfernt wurde – unter dem Vorwand, es passe stilistisch nicht mehr. Sabine Schüpbach

Stadtrundgänge in Aarau mit Susanne Dul-Lüthi:
22. 3., 14.30 Uhr; 23. 3., 17.00 Uhr, 24. 3., 13.00 Uhr (ab 12.30 Uhr warme Suppe); 27. 3., 10.30 Uhr. Treffpunkt jeweils vor dem Haus zur Zinne, Kirchgasse 19. Die Rundgänge sind kostenlos und dauern je 90 Minuten. Anmeldung bis 10. 3. unter Tel. 062 836 30 23 oder aargau-solothurn@heks.ch