| Erstellt: 24.02.2010 | |
«Bei uns in der Gemeinde gibt es keine kirchlichen Angebote für Junge», berichtet die junge Pfarrerin mit leiser Stimme. Sie sei zwar erst seit einem Jahr im Pfarramt, aber das ist ihr schnell aufgefallen: Kirchliche Bildung hat in Graubünden ihren Platz im Religionsunterricht, sonst nirgendwo.
Ein älterer Kollege lehnt sich abgeklärt zurück: «Wenn man nur lange genug da ist, dann kann man ganz viele Angebote schaffen.» Sogar mit den Sportvereinen habe er sich verständigt, und am Sonntag liessen die Vereine die Jugendlichen ziehen, wenn er sie in den Gottesdienst einlädt.
Folgen der Abstimmung. Spätestens seit der Abstimmung über die «Ethik-Initiative» der Jusos ist klar: Die Bündner Kirchen müssen sich in ihrer Bildungsarbeit neu orientieren. Der Religionsunterricht an der Schule wird um eine Lektion reduziert: Ab 2012 in der Real- und Sekundarstufe, ab 2017 in der Primarschule.
«Wir haben aus der Abstimmung gelernt», fasst Kirchenrat Roland Just zusammen: «Der Lernort Schule ist für die Kirchen nicht mehr unbestritten. Jetzt müssen wir uns fragen: Wie sehen kircheneigene Lernorte aus?»
An der Tagung füllen sich Wandtafeln mit Ideen. Während die traditionelle Sonntagsschule an einigen Orten mit Rückgang zu kämpfen hat, spriessen «Fiire mit de Chliine», «Kaleidoskop» oder «KiK-Kirche» wie Pilze aus dem Boden. Aber eben: Nicht überall. Und nicht überall gleich.
«Graubünden ist multikulturell», sagt Roland Just schmunzelnd, «nicht weil wir so viele Muslime oder Buddhisten hätten, sondern weil die Kulturen, und auch die kirchlichen Kulturen, so unglaublich unterschiedlich sind.»
Aus diesem Vielerlei will das Departement von Roland Just nun ein Bildungskonzept entwickeln. Ende Jahr, so hofft er, soll es fertig sein. Damit würde erstmals ein Curriculum für die nicht schulische, kirchliche Bildung eines Kindes in Graubünden vorliegen. Daneben ist eine Materialmappe in Arbeit, die alle schon bestehenden Angebote sammelt.
Regional statt allein. Die junge Pfarrerin verfolgt die Diskussionen an der Tagung interessiert. «Die Zukunft der Jugendarbeit muss regional sein», sagt sie, «allein können wir diese Aufgabe nicht leisten.» So wie im Oberengadin. Dort hat man sich bereits zusammengeschlossen. Il Binsaun heisst der Regionalverband, und die Kirchgemeinden steuern jeweils einige Arbeitsprozente ihrer Angestellten bei für die regionalen Projekte.
Neben den Pfarrpersonen sind zwei weitere Berufsgruppen an der Tagung: Sozialdiakone und Katecheten. Die unterschwellige Frage bei ihnen: Wie sieht die Zukunft aus? Werden Katecheten ausgemustert, wenn der Staat eine Lektion Ethik übernimmt? Oder können sie sich qualifizieren und später beide Lektionen übernehmen?
Für Kirchenrat Roland Just kommt diese Frage zu früh. «Bildung ist das Erlernen von Gelassenheit», zitiert er den mittelalterlichen Mystiker Meister Eckhard. Federführend in der Frage von Ausbildung und Anstellungen im neuen Schulfach Religionskunde und Ethik sei der Kanton. Erste Gespräche sind für den 24. Februar geplant. Reinhard Kramm









