| Erstellt: 24.02.2010 | |
«Baden zwischen Himmel und Erde, Kirche und Bergen», mit solchen Slogans wirbt das Mineralbad und Spa Samedan. Auch zeigen die Werbeplakate stets das Bad mit dem Kirchenturm Samedans. Schliesslich kann nicht jedes Erlebnisbad damit angeben, direkt an eine Kirche gebaut zu sein. Von einem Aussenbad auf dem Dach kann der Badegast sogar fast den Kirchenturm berühren. Doch was meint der Dorfpfarrer, wenn seine Kirche plötzlich zum PR-Gag wird? «Beim Wort Spa gehe ich nicht nur vom Wellnessgedanken für den Körper aus, sondern betrachte es auch vor dem Hintergrund der geistigen und seelischen Fitness», sagt Michael Landwehr. Für ihn kommt hier zusammen, was sowieso zusammengehört.
Christlicher Hintergrund. In anderen Kulturen gehören das Baderitual und das geistliche Ritual zusammen. In der arabischen Welt beispielsweise werden Moschee und Hammam meistens aneinandergebaut. Das Wasser hat auch im Christentum eine zentrale Bedeutung. Taufte Jesus die Menschen doch im Wasser. «Vom biblischen Horizont her war die Verbindung von Kirche und Bad für mich nichts Aussergewöhnliches», sagt Landwehr. Als Präsident der Kommission «Kirche im Tourismus Graubünden» und als Vizepräsident von «Kirche und Tourismus des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbunds» freut es ihn ausserdem ganz besonders, dass gerade in seiner Kirchgemeinde das kirchliche Image in einem neuen Kontext gezeigt wird.
Kritische Stimmen. Während zwischen der Bauherrschaft und der Kirchgemeinde stets ein einvernehmliches Verhältnis bestand, so gab es im Dorf doch einige Diskussionen wegen des Projektes. Dass ein Erlebnisbad Wand an Wand mit der Kirche verbaut ist, stiess nicht überall auf Verständnis. Die positiven Stimmen überwiegen aber.
Rein in die Badehose. Kurz nach der Eröffnung im Dezember 2009 liess sich eine junge Frau gemeinsam mit ihren zwei Kindern sogar im Mineralbad taufen. Sie wollte keine kleine Schale und drei Kreuze auf der Stirn, sondern wie bei der Taufe von Johannes «ganz untertauchen». Für Michael Landwehr bedeutete dies: rein in die Badehose und in ein einmaliges Tauferlebnis. Das Kreuz für Berggottesdienste, Kerzen und eine Gitarre sorgten für eine besinnliche Stimmung und sogar ein Teil der Kirchgemeinde war anwesend. «Das Strahlen in den Gesichtern der Getauften war beeindruckend», erinnert sich Pfarrer Michael Landwehr.
Kein Tauftourismus. Die Kirchenordnung erlaubt Taufen auch ausserhalb der Kirchenmauern. Allerdings will Landwehr keinen Tauftourismus im Mineralbad fördern, sondern die Taufe im benachbarten Spa in Ausnahmesituationen ermöglichen. Das dunkle Sprudelbad, das nur durch eine Wand von der Kirche getrennt ist, bietet sich als Baptisterium geradezu an. «Mir geht es um Servicequalität», sagt der Dorfpfarrer. Er ist der Meinung, es brauche diese Flexibilität der Kirche. Zumindest wird auf diese Weise eine ganz neue Perspektive auf die Kirche eröffnet. Fadrina Hofmann Estrada
Mystisches Vergnügen
Mitte Dezember 2009 eröffnete das als «Badejuwel des Engadins» betitelte Mineralbad und Spa Samedan seine Türen. Das erste vertikale Badeerlebnis der Schweiz erstreckt sich über insgesamt drei Geschosse bis ins Dachgeschoss mit dem Aussenbad – direkt unter dem Kirchturm und mit Blick in die Bergwelt. Das im Hammamstil gehaltene Gebäude befindet sich mitten im Dorfkern Samedans. Gebadet wird im Mineralwasser aus eigener Quelle, welches direkt unter dem Bad entnommen wird.
www.mineralbad- samedan.ch









