| Erstellt: 24.02.2010 | |
«Sei mutig», so lautet der Slogan von Wikipedia. Die Internet-Enzyklopädie steht jedem Nutzer offen, dem Leser wie dem Autor. Unter die Gemeinschaft der Dokumentenverfasser hat sich vor fünf Jahren auch der Pontresiner Pfarrer David Last gemischt.
Eigenheit. Tippt man bei Wikipedia «San Niculò, Pontresina» ein, erscheint zuerst in Klammern «rätoromanisch Dialekt Puter, Deutsch Sankt Nikolaus». Danach wird die evangelisch-reformierte Dorfkirche in Pontresina mit 224 Wörtern enzyklopisch geschildert. Es handelt sich um Lasts neuesten Wikipedia-Artikel. Der Pfarrer sorgte im vergangenen Jahr dafür, dass nahezu alle Bündner Kirchengebäude über die Internetplattform abrufbar sind.
Dynamisch. Das Verfassen von Wikipedia-Dokumenten ist zum Hobby von David Last geworden. «Ich finde es spannend, wie ein Artikel eine Eigendynamik entwickelt», meint er. So habe eine Person nach kurzer Zeit seinem Artikel ein Bild der Kirche San Niculò beigefügt. Auch bei anderen Artikeln freut es ihn zu sehen, dass sie wachsen und permanent ausgebaut werden. Da jeder Internetnutzer jeden Artikel bearbeiten kann, hat auch jeder die Möglichkeit, sein eigenes Wissen zu diesem Thema beizutragen.
Sicher. David Last stellt fest, dass die Qualität der Wikipedia-Artikel in den letzten Jahren zugenommen hat. Die ursprünglichen Artikel werden gespeichert und jede Änderung wird aufgezeigt. «Es besteht eine gewisse soziale Kontrolle», meint Last. Die Inhalte werden auf diese Weise vor Vandalismus geschützt. Falsche Informationen sind immer seltener anzutreffen. Ein Artikel hat Bestand, wenn er von der Internetgemeinschaft akzeptiert wird.
Anonym. Der Autor bleibt dabei stets anonym. Für Last besteht der Reiz von Wikipedia darin, dass der eigene Artikel sich verändert und verbessert wird. «Es ist wie ein Akt gegen die eigene Eitelkeit», meint er schmunzelnd. Thematisch konzentriert er sich auf Graubünden. Wer wissen will, wie die evangelisch-reformierte Landeskirche Graubündens funktioniert, kann dies dank Last auch über Wikipedia erfahren. Sein Wissen bezieht der Pfarrer übrigens aus der eigenen Bildungsgeschichte, aus der Literatur und natürlich – wie könnte es anders sein – aus Weblinks. Fadrina Hofmann Estrada









