| Erstellt: 24.02.2010 | |
Schweiss tropft von oben herab auf den Boden. Sven liegt auf einem beweglichen Balken in acht Metern Höhe. Roger steht auf einem anderen Balken zwei Meter unter ihm. «Roger, du stehst fest und sicher. Du musst jetzt Sven helfen!», ruft Michael Randl, ein Outdoor-Trainer, der unten steht und sichert. Diese Szene spielt sich nicht etwa in einem alpinen Klettergarten ab, sondern in der reformierten Kirche Straubenzell im St. Galler Quartier Bruggen. Für fünf Wochen ist dort ein mobiler Klettergarten aufgebaut. «Xtreme Heaven» heisst das Projekt. Verschiedene Kletterwände, Leitern und Balken können ausprobiert dabei werden. Ganz Mutige können sich aus 25 Metern Höhe vom Kirchturm abseilen lassen.
Lernende Kirche. Wie ist die Idee eines Klettergartens in der Kirche entstanden? Kurt Pauli, Diakon und Projektleiter von «Xtreme Heaven», sieht eine Parallele zwischen Klettern und Glauben: «Ähnlich, wie man sich an ein Seil bindet und auf die Untenstehenden verlässt, kann man sich auch auf Gott verlassen, der einen trägt, wenn man ausrutscht.» Für junge Leute braucht es aus seiner Sicht einen neuen Zugang zur Kirche. «Herkömmliche Kirchgemeinden erreichen junge Leute oft nicht», sagt er.
Vertreter von «Kirche in der City», einem ökumenischen Projekt der Stadt St. Gallen, sowie Vertreter der evangelischen und katholischen Jugendarbeit St. Gallen gründeten vor etwa drei Jahren den Arbeitskreis «Kirche mit jungen Leuten». Daraus entstand das Projekt «safranblau». Es verknüpft Begegnung, Event und Stille miteinander und spricht gezielt junge Leute von achtzehn bis dreissig Jahren an. Der Graben zwischen Jugendkulturen, Christentum und Kirche soll so überwunden werden. «Xtreme Heaven» ist das erste Projekt für junge Erwachsene, das im Rahmen von «safranblau» entstand.
Multifunktionale Kirche. Die Idee des Kletterns in der Kirche kommt bei den jungen Erwachsenen und Organisatoren gut an. «Junge Leute, die ansonsten kaum bei kirchlichen Veranstaltungen zu finden sind, kommen aufgrund dieses Projekts jetzt vermehrt hierher in die Kirche», meint Simon Kugler, Zivildienstleistender der Kantonalkirche St. Gallen. Nach dem Klettern kann man sich in einem mit grünem und gelbem Licht gestalteten Loungebereich ausruhen. Auf dessen Boden befinden sich schwarze Sitzgelegenheiten, zwischen ihnen stehen Palmen. An vier Freitagen legen DJs Electro Musik auf. Dann befinden sich bis zu siebzig Leute in der Kirche.
Wie geht es dabei zu? «Die Jugendlichen behandeln die Kirche mit Respekt. Sie verhalten sich anders als in einer Bar. Innerhalb von vier Tagen hatte ich so viele Gespräche über Gott und die Kirche wie sonst in einem halben Jahr», sagt Kurt Pauli.
Experimentierfreudig. Während der fünf Wochen des Projekts gehen die Gottesdienste weiter. Sonntags werden Stühle in den Innenraum zwischen den Kletterseilen aufgestellt. «Straubenzell ist schon immer eine experimentierfreudige Gemeinde gewesen», sagt Annina Policante, die Präsidentin der Kirchgemeinde Straubenzell.
Lilo-Marie Ruther
Xtreme Heaven: Das Projekt läuft noch bis zum 7. März in der Kirchgemeinde Straubenzell, Bruggen. Nähere Informationen zu den Öffnungszeiten im Internet: www.xtremeheaven.ch oder www.safranblau.ch






