Erstellt: 24.02.2010
«God i de!»
Weltgebetstag/ Im Zentrum des Weltgebetstags vom 5. März steht Kamerun. Vier Fragen an eine Afrikakennerin.

18 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner, rund 250 Volksgruppen und ebenso viele Sprachen: Das ist der zentralafrikanische Staat Kamerun gemäss Statistik. Heidi Zingg Knöpfli, wenn Sie anhand von drei Gegenständen das diesjährige Weltgebetstagsland in die Kirchen tragen müssten: Welche wären das?
Eine halbierte Kalebasse, ein farbenfrohes Stück Stoff und – wenn das ginge – ein gelbes Buschtaxi. Die Kalebasse dient als Gefäss beim Zubereiten des Nationalgerichts Fufu und ist für mich Sinnbild der Gastfreundschaft im Land. Die wunderschönen Stoffe sind allgegenwärtig, selbst ärmste Frauen verstehen sich damit faszinierend zu kleiden. Und das Taxi, selbstverständlich vollgequetscht mit Passagieren, steht symbolisch für Improvisation und Aufbruch.

Die Liturgie 2010 trägt den Titel «Alles, was Odem hat, lobe den Herrn». Das Land ist nicht reich – warum also dieser Lobgesang?

Ich sage es so: In Kamerun ist – im Gegensatz zur Schweiz – das Glas immer halb voll. «God i de!» (dt. Gott gibts), sagen die Menschen, wenn ihnen Gutes widerfährt. Und sie sagen es oft! Und wenn ihnen mal ein Unglück geschieht, dann hadern sie nicht – sie fragen einfach: Wer trägt die Schuld? Und Musik und Gesang sind einfach das Höchste. Auch im Gottesdienst.

Sind die Menschen in Kamerun religiös?
Sehr. Und sie sind auch tolerant. Christen, Muslime und Anhänger der traditionellen Religionen leben friedlich nebeneinander. Man bricht am Morgen sogar gemeinsam auf zum Gottesdienst: die einen in die Kirche, die anderen in die Moschee und die Dritten zu ihrem Kraftort.

Kameruner kennt man hierzulande als geniale Fussballspieler. Was zeichnet die Kamerunerinnen aus?
Sie sind fröhlich, gastfreundlich und arbeiten extrem viel. Als Selbstversorgerinnen, Geldverwalterinnen, Mütter und Familienfrauen. Und: Kamerunerinnen sind tolerant gegenüber der patriarchalen Gesellschaftsstruktur, die dort herrscht. Sie sind auch emanzipiert, aber anders, als wir es kennen: Sie suchen nie die Konfrontation, sie organisieren sich und gehen ihren eigenen Weg. Interview: Rita Jost

Heidi Zingg Knöpfli, 55, lebte mit ihrer Familie mehrere Jahre in Kamerun. Sie ist Autorin von «Schuhe für meine Kinder – Kurzbiografien von Frauen aus Kamerun» (Basileia-Verlag). Der ökumenische Weltgebetstag wird am 5. März weltweit gefeiert.