| Erstellt: 24.02.2010 | |
«Die Gottesdienstlichkeit in unserem Kantone bewegt sich in einer Kurve, die gegen eine Festzeit hin allmälig ansteigt, um nach derselben wieder abzufallen, und die in der Zeit der grossen ‹Werchen› im Sommer, sowie bei ungünstiger Witterung ihren tiefsten Stand zu erreichen pflegt. An gewöhnlichen Sonntagen mag der Kirchenbesuch zwischen 5 und 15 Prozent, an Fest- und Kommunionssonntagen zwischen 15 und 30 Prozent der Gesamtbevölkerung sich bewegen. Das stärkste Kontingent der Predigtbesucher liefern durchschnittlich die besser situierten Bauernfamilien, welche jeden Sonntag, gewöhnlich durch mehrere Glieder, vertreten sind; das schwächste die arme Bevölkerung, von welcher sich manche schon aus Kleidermangel höchst selten blicken lassen. Fast überall – einige ehrenwerte Ausnahmen abgerechnet – bleibt das männliche Geschlecht im Kirchenbesuch weit hinter dem weiblichen zurück, besonders in den Nachmittagsgottesdiensten. ‹Kirchenluft ist ungesund›, tönte es vor kurzem aus dem Grossratssaale; namentlich der Männerwelt scheint dieselbe nicht zuträglich zu sein. Es gibt Gegenden und Gemeinden, in denen der Besuch des Gottesdienstes ein starker, aber auch solche, in denen er ein sehr schwacher ist. An dieser Tatsache wirst du zwar nicht viel ändern können, aber das kannst du doch: das Gelübde ablegen: Ich und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen! Ich wenigstens will mit gutem Beispiele vorangehen! Wenn jeder Leser des ‹Säemann› so denkt, wird sich die Gottesdienstlichkeit im Kanton Bern bald in erfreulichem Masse heben. Es möge geschehen!» (Oktober 1895)
GEBOREN 1885
Vor 125 Jahren wurde der «saemann» – damals als offizielles Organ der bernischen Landeskirche – vom Pfarrverein Burgdorf-Fraubrunnen lanciert. In dieser Rubrik werfen wir einen Blick auf die bewegte Geschichte des «saemann», der seit Juni 2008 unter dem Titel «reformiert.» erscheint und in den Kantonen Bern, Jura und Solothurn von gut 150 reformierten Kirchgemeinden herausgegeben wird.
Serie 125 Jahre «saemann»











