| Erstellt: 09.02.2010 | |
Prunkvolle Gewänder, liturgische Gesänge und prominente Gäste prägten die Bischofsweihe, die am 31. Januar in Chur stattfand. Im Zentrum stand der Benediktinerabt Marian Eleganti, der in Zukunft die Geschicke der Römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich mitlenken wird. Die Wahl des Bischofs, die von Chur aus ohne Absprache mit den Zürcher Kirchenverantwortlichen erfolgt war, hatte im letzten Dezember unter den Katholiken für grosse Beunruhigung gesorgt: Als «ultrakonservativ» wurde Eleganti bezeichnet, und die Verantwortlichen der katholischen Kirche in Zürich waren empört darüber, dass man sie nicht einbezogen hatte. Die Reformierten hingegen fragten sich, wie es nun mit der bisher guten ökumenischen Zusammenarbeit der beiden Kirchen weitergehen solle.
Schwesterkirchen. Ruedi Reich, Kirchenratspräsident der reformierten Kirche in Zürich, will allerdings keine negativen Prognosen abgeben. «Ich qualifiziere einen Menschen nicht, ohne dass ich ihn kenne», hält er fest. Weihbischof Eleganti, der bis jetzt im Kloster Uznach gelebt habe, kenne zwar den Kanton Zürich und dessen kirchliche Gepflogenheiten kaum. Doch er habe deutlich geäussert, dass er die demokratischen Strukturen der Zürcher Kirchen und deren ökumenische Tradition ernst nehmen werde. Und was Reich besonders geschätzt hat: Bereits vor der Weihe habe Eleganti den Kontakt zu ihm aufgenommen. Reich hat ihn daraufhin zu einem Gespräch eingeladen. «Damit hat der Weihbischof Zeichen für eine positive Zusammenarbeit gesetzt.»
Zürich gilt im Hinblick auf die Ökumene als Vorreiterin. Nicht nur in vielen Gemeinden, sondern auch auf landeskirchlicher Ebene gibt es zahlreiche gemeinsame Projekte: Bahnhofkirche, Flughafenpfarramt oder Aidspfarramt sind nur einige davon. Aber auch persönlich hatten sich Ruedi Reich und Elegantis Vorgänger, die Weihbischöfe Peter Henrici und Paul Vollmar, gut verstanden. In kirchenpolitisch heiklen Situationen wie zum Beispiel bei der Abstimmung über ein neues Kirchengesetz hatte man sie stets geeint auftretend erlebt. Und allen päpstlichen Verlautbarungen zum Trotz hatten sie ihre Kirchen gegenseitig immer als Schwesterkirchen bezeichnet.
Kompromisse. Ähnlich wie Ruedi Reich gibt sich auch der katholische Synodalratspräsident Benno Schnüriger verhalten optimistisch. In der Doppelstruktur der katholischen Zürcher Kirche, in der zwischen der geistlich-inhaltlichen und der finanziell-organisatorischen Führung unterschieden wird, ist Schnüriger auf der organisatorischen Ebene das Gegenüber von Ruedi Reich. «Wir gehen den Weg weiter, den wir mit den Weihbischöfen Henrici und Vollmar eingeschlagen haben», hält Schnüriger fest. Der neue Weihbischof habe betont, er werde «vorläufig nichts verändern». Und selbst wenn diese Aussage mit der Zeit revidiert würde: «Die Ökumene ist im Kanton Zürich stark verankert – da kann man das Rad nicht so einfach zurückdrehen.»
Hoffnungsvoll ist Schnüriger auch deshalb, weil der Churer Bischof Huonder schliesslich doch auf die Zürcher Katholiken gehört habe: Nach dem Protest über die Wahl Elegantis setzte er neben Eleganti den weit herum beliebten Winterthurer Priester Josef Annen als Generalvikar ein. Annen war für die Zürcher eigentlich der Wunschkandidat für die Nachfolge von Weihbischof Vollmar gewesen. Nun wird er zumindest eine Ansprechperson in Personal- und Verwaltungsfragen sein.
Rückschritt. Weniger geduldig sind die Mitglieder der katholischen Synode. Die Wahl Elegantis sei ein weiterer Schritt, die katholische Zürcher Kirche zurück in frühere Zeiten zu führen, befürchten manche. Doch ein lauter Protest, wie es ihn noch zu Zeiten der Wahl von Bischof Haas gegeben hatte, blieb aus. «Die Gleichgültigkeit nimmt offensichtlich zu», sagt eine Synodale. Christine Voss






