| Erstellt: 25.01.2010 | |
Gibts eine naheliegendere, dringlichere, menschlichere Frage als jene nach dem Sinn des Lebens? Und gibts zugleich eine unnötigere, unmöglichere und gekünsteltere Frage als jene nach dem Sinn des Lebens? Die einen treibt sie fast zeitlebens um, sie zermartern sich darob das Gehirn, befragen beharrlich das Herz und lesen sich durch dicke Bücher – die anderen zucken verständnislos die Schultern, sagen, darüber hätten sie jetzt also wirklich noch nie nachgedacht, und ob denn die Antwort nicht durchs Leben selbst gegeben sei …
7 Jahre. Im Herbst 2003 war der Berner Fotograf Stefan Maurer in Nepal unterwegs und kam mit einem hinduistischen Mönch, dem Sadhu Baba Swami Giri, ins Gespräch. Man redete über Gott und die Welt, Haben und Sein, Leben und Sterben … und schliesslich auch darüber, wozu der Mensch denn eigentlich geboren werde, was der Sinn des Lebens sei. Die Antwort des alten Mannes: «Alles ist eins! Es gibt nur einen Gott und nur einen Unterschied: Mann und Frau. Sonst ist alles gleich! Die Menschen sollen friedlich leben!»
60 Antworten. Das war der Start von Maurers Projekt MOL («Meaning Of Life» – dt.: Sinn des Lebens): Seither hat der junge Fotograf auf seinen ausgedehnten Reisen durch die Welt viele andere Frauen und Männer nach dem Sinn des Lebens gefragt. Zur Antwort von Sadhu Baba Swami Giri sind etwa sechzig weitere hinzugekommen: von Christen, Buddhisten und Atheisten, von Jungen und Alten, Frommen und Freigeistern, Begüterten und Zukurz- gekommenen, Schweizern und Schweden, Israeli und Iranern, Kurden und Kirgisen. Und wenn aus den derzeit etwa 60 Statements dereinst etwa 200 geworden sind, will Stefan Maurer daraus ein Buch machen.
400 Zeichen. Wir präsentieren in diesem Dossier eine Auswahl von Antworten – solchen, die der Fotograf gesammelt, und solchen, die «reformiert.» eigens für diese Ausgabe organisiert hat. Die Palette zeigt zweierlei: dass die Frage nach dem Sinn des Lebens zwischen Santiago und St. Gallen nicht so wesentlich anders beantwortet wird. Und dass es Menschen gibt, denen die Antwort leichtfällt, als läge sie auf der Hand, und andere, die erst in sich gehen und nachdenken und darüber schlafen müssen, bevor sie Auskunft geben können. Wie geht es Ihnen dabei, liebe Leserin, lieber Leser? Was antworten Sie auf die Frage nach dem Sinn des Lebens? «reformiert.» ist interessiert – allerdings darf auch Ihre Antwort maximal 400 Zeichen lang sein (was ungefähr dem Platz entspricht, der auf einer Postkarte zur Verfügung steht). Der relativ knappe Umfang gehörte von Anfang an zu den Bedingungen von Stefan Maurers MOL-Projekt. Denn manchmal muss man sich einfach kurzfassen können – in den wichtigen Dingen sowieso. Martin Lehmann



